Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rom in der Renaissance von Nikolaus V. bis auf Julius II.
Person:
Steinmann, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-306616
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-307759
Jnnoce1tz 
VIIl. 
und 
Alexander 
Palastfassade, welche auf den Petersplatz sah und seine 8Lieblingsschöpfung, der 
Belvedere, der sich mitten in der Campagna auf einer 2lnhöhe nach dem ZNonte 
Z1kario zu erhob, sind heute zu Grunde gegangen oder vollständig umgebaut. 
Jacopo da Pietrasanta wird als Architekt dieses reizend gelegenen, zinnengekrönten 
sLustschlosses genannt, dessen Name schon die unbesd2reibliche Fernsicht andeutet, 
welche man von hier über die unendliche Campagna und ihre edelgezogenen Hügel: 
linien bis zum schroff en1porsteigenden Soracte hin genießt. Ueber der Eingangs: 
Pforte der Palazzina prangte das buntfarbige, von Engeln getragene Wappen des 
Papstes, das man heute im Saale der freien Künste im 2lppartamento Borgia 
erblickt, eine Robbiaarbeit, aus deren Werkstatt auch die Z1ikajolikafliesen hervor: 
gegangen waren, welche die Fußböden der Zimmer bedeckten. 2lndrea 2Jkantegna 
und Pinturicchio haben den Belvedere mit Fresken geschmückt. Nur mit 21kühe 
war es dem Kardinal Giuliano gelungen, den berühmten ZNeister von Ukantua für 
einige Jahre seinem Beschützer, dem Francesco Gonzaga, abwendig zu machen. 
Aber Fürst und Künstler unterhielten eine rege Korrespondenz, und die Briefe 
Ma11tegi1as an seinen Herrn geben uns unschätzbare EinbIicke in das Leben und 
Treiben am römischen Hofe und in den Charakter des Papstes, der niemals Geld 
hatte, seinen 2Naler zu bezahlen. Sie bezeichnen aber auch den Ernst und Eifer, 
mit welchem 21kantegna an die neue, umfangreiche Arbeit ging, die seinen Namen 
in Rom für alle Zeiten unsterblich gemacht haben würde, wenn nicht barbarische 
Hände am Ausgang des vorigen Jahrhunderts die Privatkapelle Jnnocenzi Vlll. 
und ihren köstlichen Freskenschmuck erbarmungsIos zerstört hätten. ,Um Eurer 
Herrlichkeit willen,t schrieb 2i7eister Undrea am x5. Juni x489 an seinen fürstlichen 
Herrn, ,bin ich vom Papst und seinem ganzen Hofe gern gesehen, aber irgend eine 
Belohnung habe ich bis heute noch nicht erhalten, und man hat mir kaum meine 
2luslagen ersetzt. Das Werk ist gross; für einen Z1iann allein, der Ehre einlegen 
will, vor allem hier in Rom, wo so viele unterrichtete und treffliche Leute sind. 
Und wie beim Wettrennen der erste den Preis erhält, so werde ich ihn wohl als 
letzter erhalten, wenn es Gott gefäIlt.t 
Jm Jahre H90 wurde endlich der Belvedere fertig, dessen Bau der Papst 
gleich nach seiner Thronbesteigung begonnen hatte, die Kapelle 2ikantegnas wurde 
Johannes dem Täufer feierlich geweiht und der Künstler mit geringem Lohn und 
vielen 8Lobeserhebungen nach 2i7antua entlassen. 
Die ziemlich ausführlichen Beschreibungen der Kapelle vor ihrer Zerstörung 
lassen uns den Verlust eines der glorreichsten DenkmLiler der römischen Renaissance 
nur noch schmerzlicher beklagen, aber sie geben uns wenigstens gegenständlich einen 
Begriff von dem Jnhalte des Dargeftellten. Im Tambour der kleinen, mit 
gemaltem Gitterwerk verzierten Kuppeli des quadratischen Raumes sah man viel: 
leicht in ganz ähnlicher perspektivischer Verkürzung, wie noch heute in der Camera 
degli Spofi in Ma11t11a, fünfzehn Fruchtkränze tragende Putten; die vier Evangelisten 
schmückten die vier Lünetten, und darüber an der Decke schwebte das Wappen 
Jnnocenz7 VIll. Vier Rundfensterchen gliederten die vier 2lrkadenfelder über dem 
Gebälk, und hier erblickte man jedesmal rechts und links ein Paar der Tugenden 
,von einer Grazie und Unmut, daß es nicht auszusprechen wart. Den vier welt:
        

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