Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit.
Person:
Raumer, Friedrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-290565
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3869938
Uominalisten 
und 
RealistL:n. 
527 
Wenn Roscelin sagte: nur die Jndividualitciten haben 
Wesenheit, und die Universalien sind bloß Gedanken CGat: 
tungsbegrifseJ, erschaffen durch den menschlichen Geist; so 
war dies nicht allein unvereinbar mit der christlichen Dog: 
matik, sondern auch mit der platonischen Jdeenlehre; wie 
es denn überhaupt ungründlich ist, die Nominalisten kurz: 
weg für Platoniker, und die Nealisten für 2lristoteliker 
auszugeben. Vielmehr stimmten die Realisten in Bezug 
aus ihre Lehre von den Univerfalien wohl noch eher mit 
PlatonI, als mit Aristoreles2. Eber läßt sich im Nomina: 
lismus die Wurzel des Empirismussund der das Sichtbare 
ergreifenden Naturphilosophie nachweisen. Denn so hoch 
der menschliche Geist in jenem Systeme auch gestellt zu 
sein scheint, erhält er seinen Inhalt zuletzt doch nur durch 
Sinnlichkeit und Einbildungskraft; darüber hinaus ist ledig: 
lich 2lbstraktion und Spiel der Sprache. 
Dem Allen widersprechend lehrte Wilhelm von Cham: 
peaux: das Wesen der Persönlichkeit. liegt in dem Allge; 
meinen, dem Universellen, und sofern Individualität vor; 
hnnden zu seyn scheint, ist sie nur zufällig; sie beruht nur 
auf der Menge und Mannichfaltigkeit ihrer Zufcilligkeiten 
oder Accidenzen. 
Beide Systeme führen in ihrer Einseitigkeit und Ge: 
trenntheit nicht zum Ziele. Es giebt wahre und falsche 
Universalien und Jndividnalitciten. In den Begriffen todter 
Abstraktion liegt keine Wesenheit: sie sind das Gegentheil 
platonischer Ideen und christlicher Dogmatik; eben so wenig 
kommt aber in der 2ltomistik vereinzelter Personen das 
Wesen und Gehei1nniß der Individualität zu Tage. Der 
Mensch ist nicht blos eine Person und Etwas durch seine 
I Ugber das Berhältniß der Scholastiker zu beiden, handelt lel;rrci6h 
die; schon dankbar erwähnte Recension, S. 2220. 
I Auf den unterschied der Nealisten, welche Univerfalien in re 
caristotelischJ und since kein CplatonifchI annehmen, kann ich hier nicht 
näher eingehen.
        

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