Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Deutschen Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814
Person:
Beitzke, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-257791
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-261549
342 
Buch 
VII. 
Abschnitt. 
so waren sie doch erstaunt und man möchte sagen imponirt von 
der unerhörten Kühnheit derselben in dem jetzigen, für Napoleon 
so verhängnißvollen Augenblicke. So, ungeheure Forderungen 
zu einer Zeit, wo sie glaubten, daß nur noch ein einziger großer 
Stoß nöthig sei, um Napoleon zu vernichten, ließen doch noch 
auf nicht gekannte Hülfsmittel schließen. Sie boten Caulincourt 
durch Bewilligung einer längeren Frist die Hand, sich anders zu 
besinnen. Sie machten am andern Tage, vor Beginn der eigent2 
lichen Verhandlungen, zwei Einfchaltungen in das Protokoll vom 
18., von welchen sie vorgaben, daß sie durch ein Versehen des 
Copisten ausgelassen wären TO. Die erste lautete: ,,sie Cdie 
Bevoll1nächtigtenJ erklärten sich bereit, jede von dem französischen 
Bevollmächtigten vorgeschlagene Abänderung, die dem Geiste 
des von den verbündeten Höfen übergebenen Entwurfs nicht 
entgegen wäre, im Geiste der Versöhnung zu erörterntt, eine 
Einschaltung, die noch Verwilligungen hoffen ließ. Die andere 
Einschaltung bezog sich wesentlich darauf, daß der franzößsche 
Bevollmächtigte ja früher selbst angeboten habe, auf den Grün: 
zen von 1792 unterhandeln zu wollen. Es stand daher noch 
jetzt, aber freilich zum letzten Mal, bei Caulincourt, ob er ein: 
lenken wollte oder nicht. 
Am 19. März Mittags hätte Caulincourt gewiß von dem 
Ausgange der Schlacht bei Laon und von der gefährlichen Lage 
seines Kaisers unterrichtet sein können, wenn ihm dies nicht ab: 
sichtlich verborgen worden wäre. Er mußte aber glauben, daß 
es mit seinem Souverain besser stehe. Derselbe nannte sich in 
einer Proclamation an die Franzosen den Sieger von Laon und 
Rheims, verkündete, daß er im Begriff stehe, die Verbündeten 
über den Rhein zu werfen, befahl, die Nationalgarde zu ver: 
sammeln und die Trümmer des geschlagenen Feindes anzugreifen, 
wo man sie finde. Auf der andern Seite erhielt Caulincourt 
im Laufe dieses Tages zwei gewichtige Schreiben des Fürsten 
Metternich, die keinen Zweifel ließen, daß nicht mehr als das 
Frankreich von 1792 zu erlangen sei, daß bei fortgese13tem Kampfe 
die Dynastie Napoleon7s in Gefahr und der jetzige Moment der 
letzte sei, wo noch ein Friede mit ,,dem KaifeV Napoleontt ge: 
schlossen werden könnte. Caulincourt aber, ohnehin irre geführt 
durch die angeführte Proclamation, bebte zurück vor der unge: 
heuren Verantwortlichkeit, der Sündenbock zu feMs der die Sc2sINde 
des Kaiserreichs und ,,der großen Nationtt unterzeichnet hätte. 
Er nahm nichts von seinen Forderungen zurück; die Bevoll2 
mächtigten der Verbündeten erklärten darauf ihre Vollmachten
        

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