Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Deutschen Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814
Person:
Beitzke, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-251193
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-255845
Meinung 
Vülow. 
Segen 
409 
Bis zum 18. Mai hielt General Bülow an der Meinung 
fest, daß der Feind die Absicht habe, Berlin zu erobern, was 
nicht verwundern kann, da sein König diese Meinung ebenfalls 
gehabt und viele Anzeichen dazu allerdings vorhanden waren. 
Er stimmte darin aber nicht mit dem General:Gouverneur des 
Landes zwischen Elbe oder Oder, dem alten General liEstoeq, 
überein. Dieser hielt den Feind für nicht so stark, als er an: 
gegeben wurde, und das Vorgehen desselben von der Elbe her 
nur für eine Demonstration. Er stützte sich dabei auf Nachrich: 
ten, die von seinen Kundschaftern aus Sachsen eingingen. Er 
glaubte daher, daß die Vertheidigung weit zweckmäßiger zu fah, 
ren gewesen sein würde, wenn Bülow, ohne so weit zurückzu2 
gehen, sich immer auf dem linken Flügel des Feindes gehalten 
hätte, um ihm dort Abbruch zu thun, und die unmittelbare 
Vertheidigung der Hauptstadt der Landwehr und dem Landsturm 
überlassen hätte. General l7Estocq verfocht diese seine Meinung 
mit Nachdruck selbst gegen Bülow, und es entstand zwischen 
beiden ein ziemlich spiizer Briefwechsel, wobei Oberst Boyen sich 
nach Möglichkeit bemühte, eine Vermittelung zu bewerkstelligen. 
Da der Feind nicht erschien, auch General Woronzof ruhig 
vor Magdeburg stehen blieb, so hielt nicht nur der General 
liEstocq, sondern auch das höhere Beamtenpersonal, wie auch 
das größere Publikum, den Rückzug des Generals Bülow für 
übereilt, und es wurde vielfacher Tadel laut, daß er Stadt und 
Land unnöthig in so große Unruhe und Besorgniß gebracht habe. 
Die Stellung Bülowis der öffentlichen Meinung gegenüber 
wurde dadurch einigermaaßen getrübt. Noch übler aber stand 
sein Verhältniß zum Gouvernement des Landes. General Bü: 
low war zwar vom Könige zum Oberbesehlshaber der Mark er: 
nam1t worden, es sollten alle Streitkräfte, Linie, Landwehr, 
Landsturm, zu seiner Verfügung sein, und in so fern war das 
Gouvernement des Landes zwischen Elbe und Oder gehalten, 
seinen Anordnungen Folge zu leisten. Nun aber war der Mi: 
lktair:Gouverneur von l7Estocq General der Cavallerie, stand also 
einen kriegerischen Grad höher als Bülow, der nur vor zwei 
Monaten erst zum General:Lientenant ernannt worden war, 
und erfreute sich eines viel größeren kriegerischen Rufes, so daß 
wohl nur sein vorgerücktes Alter abgehalten hatte, ihm ein 
ten Befehl, aus Berlin zu 1narschiren; vielmehr bewegte er sich am 
13. Mai zufolge kaiserlichen Befehls auf Luckau. Dabei behält sich der 
Kaiser vor, am 15. zu bestimmen, ob er Berlin besehen oder eine an: 
dkke Bewegung ausführen soll. Hiernach fiele ein guter Theil des Ver: 
dienstes von Jo1nini fort. cSiehe den vorigen Abschnitt.J
        

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