Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Deutschen Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814
Person:
Beitzke, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-251193
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-252724
Yorck in 
Königsbetg. 
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Nachdem die Provinz durch 15,000 Mann eigene kriegs: 
geübte Truppen und durch einen thatkräftigen Befehlshaber 
gesichert schien, harrte man auf eine Aufforderung zu allgemeiner 
Vewaffnung, um mit den Russen vereint sogleich auf die Frau: 
.zosen loszugehen und sie aus dem Lande zu jagen. Jedermann 
War bereit, das Aeußerste zu thun, da man aber in einem rein 
monarchischen Staate lebte und gewohnt war, Alles auf Befehl 
ZU thun, so wartete man mit Sehnsucht auf das Zeichen, was 
Von obenher erfolgen sollte. Man warf in dieser Hinsicht seine 
Augen auf den General Yorck, von dem man hoffte, daß, da er 
schon einen so entscheidenden Schritt gethan, er nun auch auf 
feine Verantwortung weitere Schritte thun werde. Aber Yorck 
schien Allem, was nicht zu den gewöhnlichen Pflichten seines 
Dienstes gehörte, nur eine geringe Aufmerksamkeit zu widmen 
und sich allein mit der Ergänzung des erlittenen Abgange,s in 
seinem Corps zu beschäftigen. Wirklich hatte er wohl gute 
Gründe, vorerst keine souverainen Schritte mehr zu thun. Gegen 
die Franzosen auf eigene Hand loszufchlagen, hielt er für un: 
thunlich, da sein Gouvernement mit denselben noch im engen 
Bündnis; war, wenn es auch keinem Zweifel unterlag, daß er 
mit den Russen vereint große Dinge hätte ausführen können. 
Gegen die Russen hatte er sich selbst die Hände gebunden, in: 
dem er sich verpflichtet hatte, zwei Monate nach Schliefzung der 
Uebereinkunft von Tauroggen, also bis zum 1. März, nicht ge: 
gen sie zu dienen. Da er durch sein erstes kühnes Verfahren 
den Weg gewiesen, so hoffte er mit Zuversicht, daß der Hof in 
Berlin nun einen entscheidenden Beschluß fassen würde.  
Da der General Yorck nichts unternahm, so hätte recht 
wohl von den Civil:Vehörden der Provinz eine allgemeine Landes: 
bewaffnung angeordnet werden können. Wenn die gewöhnlichen 
Behörden dazu auch nicht ausreichten, so bestanden seit dem 
Jahre 1809 in Preußen bereits Landstände, die man nur berufen 
durfte. Es schien indessen dem Ober:Präsidenten von Preußen, 
Landhofmeister von Auerswald, der diese Berufung im Namen 
des Königs hätte vornehmen,miissen, bedenklich, ohne königliche 
Ermächtigung einen souverainen Act dieser Art auf sich zu neh: 
men. So vergingen mehrere Wochen; Flucht und Verfolgung 
der Franzosen bis zur Weichsel war geschehen und jetzt, wo die 
Zeit so kostbar schien, wo die größten Gefahren in der Zukunft 
drohten, wurde nichts beschlossen. Vom Hofe traf keine Gut: 
Meldung ein. Man hatte in seiner Ungeduld geglaubt, der 
König werde jetzt, wie im Jahre 1807, mit seinen Näthen wies 
der seinen Sitz in Königsberg oder Memel nehmen, und von 
BeihIe, Freiheitskriege l. Z. Aufl. 7
        

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