Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung
Person:
Lamprecht, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-245756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-246852
Tonkunst. 
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findungen neuer Klangwirkung bedursten neuer Jnstrumente und 
zahlreicherer Instrumente schon bekannter Gattung: so wurden 
neben den Streichinstrumenten. namentlich die Blasinstrumente 
verstärkt; schon im ,,LohengrinH tritt Elsa fast ausschließlich 
von Blasinstrnmenten gefolgt auf, und König Heinrich wird 
von Posaunen und ,Trompeten begleitet. Wer aber wüßte 
nicht von den Änderungen, welche die Kunst Wagners im Ges 
sang hervorgerusen hat: der bel cxmt0 verfThWAUd, die MUfks 
kalische Deklamation gewann das Feld, der speziRsch ,,deutsche 
StilH des Gesanges, wie die Wagnerianer wohl sagen, kam 
zur Entwicklung.   
Wie sehr das alles in das praktische Dasein der Musik ein: 
griff, zeigt die Thatsache, daß Wagner seit den sechziger Jahren 
immer und immer wieder bestrebt war, eine eigene Schule. der 
ausfiihrenden Musik zu begründen. 
Und doch, wir werden es nicht verkennen, spiegelten sich 
in den Veränderungen des Orchesters nnd des Gesangs nur 
ungleich einschneidendere und tiefere Veränderungen des inneren 
Wesens der Musik wieder,  trat hier nur besonders deutlich 
das Werden einer neuen 1nusischen Kunst zu Tage. Und diese 
musische Kunst war nicht auf stille Wirkungen beschränkt; sie 
suchte nicht bloß die Heimlichkeit der Kammermusik auf, und 
auch die Hallen der Orchesteraufsiihrungen genügten ihr nicht. 
Sie war verschwistert mit der Dichtung und innig verschmolzen 
mit der volkstiimlichsten und für das Zeitalter charakteristischsten 
aller poetischen Gattungen, mit dem Drama: das Theater 
suchte sie ans, ja schuf es um und sprach von der Bühne her 
laut zu den lauschenden Massen. Und indem sie so zu einer 
Macht der Zeit ward; sörderte sie den neuen Geist der musischen 
Bewegung gerade an der Stelle, an der er am ehesten durchs 
zubringen vermochte: in der Wiedergabe der durch Worte be: 
stimmt gekennzeichneten und doch auch orchestraler Wirkung 
zustrebenden musischen Begeisterung, in der vokalen und zus 
gleich instrun1entalen Kunst der Oper. 
So ist denn das vor allem für Wagner das Charak: 
teristische, daß er, mag er auch den Ruhm des Begründers der
        

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