Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung
Person:
Lamprecht, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-245756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-250666
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Weltanschauung. 
nischen Welt finden s, um so mehr wird unleugbar, daß 
der Mensch einen Teil bildet der Natur selber. 
So stirbt denn schließlich die alte anthropocentrische Be: 
trachtungsweise aus, die in der Natur im Grunde nur eine 
zum Nußen des Menschen getroffene Einrichtung sah; und eine 
neue anthropocentrische Betrachtung kann nur dadurch gewonnen 
werden, daß die Einsicht erwacht, man erkenne die Welt nur 
durch Vermittlung der Seele und somit nur im Bereiche der 
aneignenden seelischen Triebe und Eigenschaften. Dieser neue 
Anthropocentrismus nicht mehr praktischen, sondern theoretischen 
Charakters ist bekanntlich erst eine Errungenschaft des subjekti: 
vistischen Zeitalters, in Deutschland speziell der Kantschen 
Philosophie; nach den enthusiastischen Übertreibungen der 
Jdentitätsphilosophie, die bis zu einer intellektualistischen In: 
korporation der Erscheinungswelt in die Menschenseele fort: 
schritt, ist er heute allgemein und im wesentlichen im Sinne 
Kants angenommen. Kants Auffassung aber hebt in diesem 
subjektiven Anthropocentrismus die Erscheinungswelt keineswegs 
auf: denn nach ihm reichen die reinen, von den Anschanungs: 
formen befreiten Begriffe sehr wohl dazu hin, auch das 
Dasein der Objekte zu erweisen: nur deren Dasein zugleich zu 
bestimmen sind sie nicht geeignet. Und so besteht denn auch 
nach der Kantschen Erkenntnistheorie der GegensaZ von Subjekt 
und Objekt, von Natur und Geist. 
Daß sich aber der metaphysische Trieb mit diesem Gegens 
sahe zugleich in den Verlauf der psychischen Entwicklung 
der europäischen Völkerfan1ilie gestellt sah und noch gestellt 
sieht, unterliegt keinem Zweifel. Denn wenn es gilt, in irgend 
einer Weise das Rätsel einer Verbindung der Welt als Materie 
Cals RealgrundesJ und der Welt als Bewußtsein Tals Jdeal: 
grundes des SeinsJ zu lösen und von dem Realgrunde bei 
Licht besehen, nichts bekannt ist, als daß er bestehe, so liegt 
aus der Hand, daß das Nachdenken über dies Rätsel von der 
jeweiligen Ausbildung des Bewußtseins abhängig ist:  Be: 
wußtsein aber heißt nichts als jeweilig zu klarer Vorstellung 
gelangte Summe psychischer Potenzen, jeweilige psychische
        

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