Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung
Person:
Lamprecht, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-245756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-250051
DichtuI1gs 
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Und weil sie dies sind, darum ist eine große, allgemeine, Dichter 
und Publikum zugleich umfafsende, einheitliche, der ganzen Zeit 
angehörige Weltanschauung die VorausseHung eines großen 
Dramas. 
Jst nun diese Voraussetzung für die Gegenwart erfiilltP 
Die Weltanschauungen der legten drei bis vier Jahr: 
hnnderte lassen sich in ihrem Verhältnis,zuin Drama am besten 
in transcendente und immanente scheiden. 
Die wirksamste aller transcendenten Weltanschauungen war 
in dieser Zeit die christliche. VölIig und klar ausgeprägt aber hat 
sie während dieser Periode eigentlich nur im katholischen Drama 
bestanden. Dies verlegt in seiner reinsten Gestalt das Schicksal 
noch in den Himmel, in die Liebe und Gnade eines über: 
weltlich, jenseitig, persönlich gefühlten Gottes. Und diese 
Gnade ist es, die den schuldigen Helden, den Sünder schließlich 
dennoch erlöst. Und alle Gestalten des Dramas sind gebunden in 
diese Liebe, haben Seelen, deren gute Eigenschaften in1 Grunde 
als Gnadengaben Gottes, deren schlechte als Werk des Teufels 
erscheinen. Es ist das Drama Calderons, des christlichsten 
aller großen Dramatiker der europäischen Völkergemeinscbaft. 
Auf evangelische1n Boden dagegen, in der vollen Luft zu: 
gleich schon der philosophischen Regungen der Renaissance kommt 
dies chriftlich:transcendente Schicksal eigentlich nur noch ab: 
geblaßt vor, durchfetzt von dem Gedanken der Gotteskindschaft 
des Menschen, unterhöhlt von Vorstellungen einer re1igio 
natukalis, die sich seit dem 16. Jahrhundert im Anschluß an 
den Jmmanenz predigenden Stoicismus der spätrömischen Zeit 
entwickelten: es ist die Atmosphäre, in deren allgemeinem Be: 
reiche Shakespeare atmet. 
Und mit dem Emporsteigen eines neuen großen seelifchen 
Zeitalters um 1750, mit der Empfindsamkeit und ihrem 
Freundschaftskult und der zunehmend stärkeren Vergesellschaftung 
der Jndividuen feste speziell in Deutschland immer fester 
nun ein Trieb immanenter Weltanschauungen ein, und das 
Schicksal erschien gegeben in Abhängigkeit von dem inneren 
Charakter der Zeit und des Ortes, erschien gekettet an Zeit:
        

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