Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung
Person:
Lamprecht, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-245756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-249561
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Dichtung. 
Jm ganzen aber wird sich doch sagen lassen, daß alle diese 
Versuche, soweit sie die Form weiterbildeten, zwischen zwei Ex: 
tremen vertiefen, dem einen, das die Zukunft des Dramas durch 
stärkste Anhäufung von Handlungsmomenten beschwören wollte, 
und dem anderen, das vielmehr aus eine Zustandsschilderung 
nach Art des ,,SekundenstilsU der Kunsterzählung ausging: 
so daß man hier unschwer dieselben Gegensäße wiedererkennt, 
die sich schon in der Lyrik zwischen rhythmischer Kürze nnd 
breitem Hinlagern der Gefühle nachweisen ließen, und die sich 
zuerst auf dem Gebiete der bildenden Künste in dem Kontrast 
zwischen ornamentierter und verblasener Freilnftmalereiaufthaten. 
Und wenn sich dabei noch weiter herausstellt, daß bereits dieser 
erste große Gegensaß in der Entwicklung des modernen Dramas 
sich nicht mehr auf naturalistischem, sondern schon idealistischem 
Gebiete abspielt  denn alle herangezogenen Vergleichs: 
momente, rhythmische Kürze und Orna1nentik wie stimmungs: 
volle Breite und Symphonien verblasener Farben haben das 
gemein, daß sie den ,Jmpressionismus schon idealisieren H, so 
eröffnet das besondere Aussichten auf das Wesen des modernen 
Dramas, ja vielleicht des Drama.s überhaupt, die später noch 
genauer zu verfolgen sein werdenI. 
Als Dichter eines möglichst starken Handlungsstils trat in 
der Zeit der Anfänge wohl Bleibtreu am meisten hervor. 
Bleibtreu suchte als dra1natische Unterlage gern ausgedehnte 
geschichtliche Entwicklungsreihen auf, und diese schob er dann 
so wuchtig in den Vordergrund, daß die Personen fast ver: 
schwanden, sie wären denn ausnahmsweise die verkörperten 
Träger des furchtbar und im Grunde unpersönlich dahin: 
schreitenden Schicksals. Waren nun aber die Personen Bleib: 
treus im allgemeinen Schemen, so genügte es, sie mit 
den Mitteln einer prin1itiven Kunst zum Handeln zu bringen. 
Und daran hat sich denn der Dichter in der That zumeist 
genügen lassen. Natürlich geriet er damit sozusagen aufs 
Ornamentale und ins Kunsthandmerk: und darum hat 
unten 
AosOui:: 
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