Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung
Person:
Lamprecht, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-245756
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-249522
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Dichtung. 
gemeinen Zusammenhange heraus. Seit dieser Zeit etwa be: 
gann nämlich der idealistische Zug, der im Stimmungsro1nan 
auch die Kunsterzählung ergriffen hatte, sich zu dem Bedürfnis 
nach weit objektiveren idealistischen Elementen zu erweitern: 
und hier, auf dem Boden des Kultus der größten objektiven 
idealen Elemente dieser Welt, des Patriotismus und vor allem 
der Heimatliebe, begegnete er sich nun mit der Unterströmung 
der Heimatkunst und erhob diese zu einer wahrhaft wichtigen 
Erscheinung des nationalen Gesamtlebens. 
Was diese Erscheinung für die Nation und die Kunst und 
die Zukunft beider zu bedeuten haben wird, das läßt sich heute 
noch nicht voll abschäHen. Aber eins ist sicher: die Bewegung ist 
mächtig und allgemein; überall weist namentlich die Kunst: 
erzählung schon Erzeugnisse starker territorialer Eigenart auf 
und kräftige Talente, die sie pflegen; dann folgt die Lyrik, 
und, wie das Beispiel des Elsasses zeigt, auch dramatisc11e 
Versuche sind nicht ausgeschlossen. Die für das deutsche Leben 
unendlich wichtige Thatsache, daß die engen heimatlichen 
Bildungen in besonderer territorialer Verfassung, landfchaftlicher 
Sitte und fta1nmeshaftem Geistesleben, die den nationalen 
Einheitszug des l9. Jahrhunderts siegreich überlebt haben, nun 
auch gegen den nivelIierenden Einfluß allgemein europäischer 
litterarischer Tendenzen, ja gegen die schon spürbaren Ein: 
wirkungen einer Weltlitteratur für ihr Sonderdasein nicht so 
sehr in blinder Abwehr wie in kräftigem Sonderfchaffen macht: 
voll eintreten, verbürgt uns auch fernerhin die Eigenheit unserer 
Kultur: jenes weit verstreute, überall gleich starke, nirgends 
übermäßig konzentrierte und darum nirgends einseitige geistige 
Schaffen, das unser Wesen so sehr von dem anderer Nationen 
der europäischen Völkerfa1nilie abhebt. Und die Thatsache, daß 
in der Heimatkunst zugleich jene uns schon aus der Lyrik 
bekannte Entwicklungstendenz des psychologischen Jmpressio: 
nismus auf einen Jdealis1nus nicht bloß der subjektiven 
Stimmung, sondern objektiver Werte hin eine sichere Grundlage 
gefunden hat, erscheint von guter Vorbedeutung für die Ent: 
faltung einer idealistischeu Erzählungskunst überhaupt. Sie
        

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