Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Schule der Holzschneidekunst
Person:
Schasler, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-238377
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-241763
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A1ilm11g: 
Die Illustration in ihrer kulturgefchichtlichen Bedeutung. 
Wenn nun aber die Illustration wirklich so zum tiigs 
lichen Brod des allgemeinen Geschmacks geworden ist, so bedarf 
es wohl kaum noch einer Hindeutung darauf, um wie viel 
höher der Einfluß derselben als allgemeinen BiIdungselements 
anzuschlagen ist, als beispielsweise der Einfluß der Malerei der 
Gegenwart und aller Zeiten zusammengenommen, geschweige 
denn der Plastik oder der Architektur. Höchstens könnte man den 
Einfluß der tektonifchen Kunstindustrie damit vergleichen, wenn 
diese Cwas leider nicht der Fall istJ sich unabhängiger von der 
Mode gehalten und einen größeren Umfang in der Gestaltung 
der uns Umgebenden Dinge des täglichen Lebens gewonnen 
hätte. Da dies nicht der Fall ist, so steht die Illustration 
als Herrscherin im Reiche der allgemeinen Geschmaeksbildung 
ohne Rivalin da. 
Eine einfache statistische Betrachtung würde dafür die un: 
umstößlichsten Beweise liefern. Dank unseren Kunstvereinen 
werden alljährlich einige Tausend mehr oder weniger mittels 
mäßiger Bilder in die Welt, d. h. auf die Ansstellungen geschickt, 
welche den Geschmack des Publikums wenn nicht zu verderben, 
so doch jedenfalls nicht zu bilden geeignet sind. Im günstigsten 
Falle sind sie langweilig und lassen kalt. Entsteht dann und 
wann ein Meisterwerk, so kommt es wohl in der Reßdenz 
einigen bevorzugten Kunstkennern vor die Augen, aber wenn 
die ,,Jllnstrirten Zeitungen H nicht davon Abbildungen gäben, 
so würde das Volk nichts davon erfahren. Was aber unsere 
Mufeen betrifft, die Ach ja übrigens meist auf die größeren 
Residenzen beschränken, so hat der Verfasser immer die Beobs 
achtung gemacht, daß der Laie für die Werke der älteren Malerei 
nur so weit ein Interesse hat, als sie seine sinnliihe Ansihauung 
befriedigen; das Kunstgefühl bleibt dabei ganz und gar uns 
berührt; natürlich, weil ihm die Vorkenntnisse abgehen für 
Etwas, was aus seiner Zeit heraustritt. 
Ganz anders die Illustration. 
Hier wird ihm geboten, was er versteht und was ihn ins 
teressirt. Von berühmten und interessanten Kunstwerken, 
mögen diese nun der Architektur, der Malerei oder der Plastik
        

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