Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Schule der Holzschneidekunst
Person:
Schasler, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-238377
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-241681
280 
lll. Buch: 
Die Technik des Holzschnitt5. 
andererseits geht er jedoch auch nicht bis zu jener technischen 
Ungebundenheit des Stichels und unkiinstlerischen Abhängigs 
keit der Hand vom Stichel, wie der englische, sondern er trägt 
bei aller Wärme und Ele,ganz der Ausführung, bei aller Zarts 
heit und Kraft des Effekts  Eigenschaften, wodurch sieh der 
französische Holzschnitt vorzugsweise auszeichnet  zwar das 
Gepräge einer gewissen Nonchalance, die jedoch stets in den 
Grenzen künstlerischer Anmuth bleibt. Der franzöHsche Holz: 
schnitt hat weiterhin weder die Starrheit der deutschen Um: 
risse, noch die Unklarheit der englischen Contourlos1gkeit, fon: 
dern er ist bestimmter in der Begrenzung als der letztere, aber 
zarter in den Formen als der erstere. Durch diese eigenthüm: 
liche Stellung in der Mitte zwischen zwei Extremen wäre der 
französische Holzschnitt vielleicht vorzugsweise geeignet, den Kul: 
minationspunkt der Leistungen des Holzfchnitts zu repräsen: 
tiren, wenn diese Vereinigung der Extreme eben so sehr künst: 
lerische als technische Bedeutung hätte. Allein dies ist nicht 
der Fall, und zwar liegt der Grund davon in jener Aeußer: 
lichkeit des französischen Nationalcharakters selbst, welche überall 
mehr auf den äußeren eleganten Schein, als auf wirkliche 
Schönheit sieht, und welche die zuweilen gewaltfame Wirkung 
des frappirenden Effekts, gleichviel durch welche Mittel sie her; 
vorgebracht wird, der ruhigen Kraft innerlicher Wahrheit vor: 
zieht. 
Im französischen Holzfchnitt ist daher Zeichnung wie Schnitt 
vor allen Dingen elegant; eine Eleganz, die, technisch be: 
trachtet, dem Schnitt den Charakter des EffektvoIlen giebt, 
vom künstlerischen Gesichtspunkte aus geistreich erscheint. 
Beide Eigenschaften, besonders aber die letztere, ziehen eine uns 
übersteigliche Scheidewand zwischen dem französischen und eng: 
lischen Holzschnitt, und so elegant und geistreich z. B. Gavarni7s 
Kompoßtionen in der franzößschen Illustration sich darstellen, 
eben so roh und trocken gestalten sie Ich unter dem englischen 
Stichel. 
Es bedarf wohl kaum der Erinnerung, daß, da hier nur 
der Charakter des englischen, deutschen und französischen Holzs
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.