Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-233612
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Die Theologie. 
Orientalia. 
in Göttingen Gesner hätte hören können, daß selbst in Wittenberg der in 
alter und neuer Literatur, wie in den Museen Italiens wohlbewanderte J. W. 
v. Berger,  der Rathgeber beim Ankauf der Dresdener Antikensamn1lung  
ihn, wie später D. Rnhnken, hätte berathen können: so muß man sagen, daß 
er in Diesem Punkte keine unglücklichere Wahl hätte treffen können. 
Umsomehr Veranlassung hatte er, bei den übrigen Brunnen der Weisheit 
herumzugehen; und wir wollen versuchen, ihm hier so viel als möglich zu 
folgen. 
Theologie 
und 
Religion. 
Die Vorlesungen, die Winckelmann officiell hörte, kennen wir aus dein 
Albnm der theologischen Fakultät is. Anhang II.J; aber er hat offenbar viel 
mehr gehört.  
 Seine theologischen Vorlesungen find eben die, in welchen die hallischen 
Pietisteu dieses Studium beschlossen glaubten und die ihm wahrscheinlich vor: 
geschrieben waren: das dogmatische Anfangscolleg und die biblischen Exegesen. 
Wenn unser prosaner Freund später einmal ,,Gott danke, daß er dem the: 
ologischen Krame völlig entsagt habest: so darf zwar auch sein Biograph die 
profanen unter seinen Lesern mit der Verheißuug trösten, daß ne mit diesem 
Capitel der Theologie ein für allemal überhoben sein sollen  wenn auch 
nicht der Geistlichkeit, deren Bekanntschaft ja aber auchsangenehmer ist, zu: 
mal der hohen römischen dieser guten alten Zeit. Allein jenes Dankgebet 
sollte keineswegs sagen, daß ihn alle Zweige der Theologie unberührt gelassen 
hätten. Sein Zusannnenhang mit dieser Wissenschaft beschränkte sic; freilich 
auf das Wenige, was damals auch manchen Anderen als 0apnt mortuum 
protestantischer Theologie allein noch übrig geblieben war: die Beschäftigung mit 
der alterthümlichen Sprache der Bibel und mit den hebräischen Antiquitäten, 
die sich allmählich durch die Kunde des heutigen Morgenlandes zu beleben an: 
fingen, und daneben die kirchen: und ket;erhistorischen Curiositäten. 
 Zu der That war auch die orientalische Philologie der einzige Zweig 
der wissenschaftlichen Theologie, worin Halle damals vorleuchtete: einmal lehr: 
ten hier dreizehn Docenten.dieses Fachs. Damals schleppte man Ach auf allen 
deutschen Uuiverßtäten noch in dem alten rabbinischen Gleise fort; während 
sihon Albert Schultens in Lehden, ausgehend von dem Gedanken einer frühem 
Einheit sämmtlicher semitischen Dialecte und ihrer Abkunft von einer voll: 
kommenen Ursprache, mach Hupfelds Wortenj das Ideal einer harmonischen 
Behandlung der orientalischen Sprachen aufgestellt hatte. In Halle zuerst war: 
den diese Sprachen in engere Verbindung gesetzt, nicht ohne Antheil der 
Missionen. Chr. B. Michaelis war es, der zuerst lehrte, daß die Bibel ohne 
das Licht der Dialecte nnd der alten Uebersetzungen nicht mit Zuverlässigkeit
        

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