Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-233558
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Reise 
Erste 
Dresden. 
11a4H 
die Kriegskunst der Alten; die Frucht dieser Muße H gewann ihm die Gunst 
Friedrichs nnd den Ehrennamen jenes Hauptmanns der zehnten Legion. 
So bewegt aber auch Winckelmanns Lebens in Halle war: so war ihm 
dieHochschule doch ein viel zu enges Theater. Selbst im Anfang war sie 
für ihn ein so schwacher Magnet, daß er kaum fünf Wochen da war, als 
er schon mit einer Bande von Landsleuten nach Dresden ausbrach, um die 
glänzendste Residenz Deutschlands und die Feierlichkeiten zu sehen, welche vom 
7. bis zum l2. Mai bei Gelegenheit der Hochzeit der Tochter Augusts l1l, 
Maria Amalia Ehriftine, und Carls, des Sohnes Philipps V. und Königs 
beider Sieilien, stattfanden.HJ 
Am 7I Mai hielt der spanisch:sicilischc Gesandte und bevollmächtigte 
Minister GrafiFnenclara seinen öffentlichen Einzug in Dresden. Ju Grnna 
hinter dem großen Garten empfing ihn der Minister Graf Friesen nnd ge: 
leitete ihn durch das pirnaische Thor nach dem Schloß; es war ein Zug von 
31 sechsspänuigen Staatswagen. Jm Schloß war seit gestern die Ausstattung 
der Braut öffentlich ausgestellt. Tags darauf erfolgte die Anwerbung. Die 
königlichen Gebäude waren architectonisch illuminirt. Auf der Mitte des 
Alt1narktes hatte man eine Felsengruppe aufgethürmt, aus der sich ein 20 
Ellen hoher Obelisk emporstreckte, dessen Lcnnpenschmuck aufsteigende und stufen: 
weis in Muscheln herabfallende Wasserstrahlen vorstellen sollte. 
Auf demselben großen Platze hatte der Gesandte ein Gebäude errichten 
lassen, von dem Pauker: und Trompeten erschallten, nnd an dessen Basis 
rothcr und weißer Wein hervorsprang, während in der Scheffelgasse goldene 
Vennählungsmiinzen von verschiedenem Werth ausgeworfen wurden. Am 9. 
Mai vollzog der päbstliche Nuntius im Schlosse die Vermählnngsfeier, wobei 
der Ehurprinz des Bräutigams Stelle vertrat. Hieran schloß sich am to. ein 
Carroussel i1n Zwinger. Um drei Uhr Nachmittags begaben Ach die Ritter, in 
vier Banden getheilt, im feierlichen Zuge vom Schloß aus über den Taschen: 
berg dort hin. Die erste Bande, in rothen und goldenen Farben, führte der 
König selbst an; die Preise vertheilte die uenvermählte Königin. 
Bei diesem ersten Aufenthalt in Dresden ließ Ach Wiuikel1naun auch die 
königliche Bibliothek zeigen und machte dem Superintendenteu Valentin Ernst 
Löscher einen Besuch; aber sein E1upfehlnngsschreiben hatte keinen Erfolg: er 
machte keinen günstigen Eindruck auf diesen letzten unter den strengen Zions: 
wächtern vom alten Schlag.  
Im Schooße der Universität Halle waren durch die wohlbekannten Umstände 
ihrer Gründung t1694J zwei sehr verschiedene Elemente vereinigt worden. 
VI ,,Memoires mi1itaires sur les Greos et les Romaius.H 1756.  
IV Vrgl.Klemm7s Geschichte DresSdens zu diesem Jahres,
        

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