Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-238195
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Anhang. 
Mit Otto dem Jüngeren, heißt es an einem anderen Orte, si1cd endlich die 
schlechten Zeiten eingebrochen und die güldene Zeit hat mit seinem Vater aus: 
gehört. Recht und Gerechtigkeit, woraus der väterliche Stuhl gegründet 
gewesen, Barmherzigkeit und Wahrheit, die vor ihm einhergingen, sind 
durch eine überhandnehmende Ungerechtigkeit verdrungen und haben dem Reich 
den Rücken zugekehrt. Ein Volk hat sich wider das andere empört: die Zwie: 
tracht als ein Zunder zu allem Uebel hat bis in das Herz des Reichs um 
sich gefressen, und unter Befehdungen der Mächtigen wider einander hat die 
Kirche und die Armuth große Drangsale erlitten. 
Die allerungerechteste Regierung hätte kaum mit schändlicheren Farben 
können entworsenlwerden, und es könnte der Wahrheit oben angeführter Worte 
ein merkliches abgehen durch ein glaubwürdiges Zeugnis; von der großen Verbesse: 
rung, die man nachher an Otto gespürt. Ditmar ist es, der uns berichtet, 
daß Otto endlich die weisen Vorstellungen, sonderlich die ihm seine Mutter 
gegeben, Platz finden lassen, und daß er außer den Schranken einer löblichen 
Tugend niemals gewichen sei, sodaß er groß und edel gewesen in seinem Be: 
tragen, solange er regiert. Dieses Zengniß gewinnt noch mehrere Stärke da: 
durch, daß dieser Merseburger Bischof wegen der unerlaubten Aenderung, 
welche dieser Kaiser mit dem Stifte Merseburg vorgenommen, nähere Ursachen 
haben müssen, alles mögliche nachtheilige wider ihn anzubringen. 
Ein anderer berühmter und gelehrter Geistlicher derselben Zeit verweist 
einen Trierischen Erzbischof aus des Kaisers Großmuth, redlichen Vorsatz Hin. 
tentionemz und nnbeschreibliches Verlangen, ehrliche Leute um sich zu haben: 
und anderswo legt er Otto das Lob bei, daß er eine Beredsamkeit besäße, 
wodurch er Jedermann gewinnen könne. Will man nächst diesem dem Zeugs 
niß des Lehrmeisters dieses Kaisers einiges Gewicht an diesem Orte zugestehen, 
so kann uns dasjenige, was wir aus dessen Munde aufgezeichnet überkommen 
haben, von der Erziehung und dem Betragen dieses Herren in vielen Stücken 
eines andern belehren. 
Es scheint wohl, daß Otto der Geistlichkeit, die über den Ruhm des 
Regenten damals allein disponirte, verschiedene Ursachen zum Mißvergnügen 
wider sich gegeben, da man sieht, daß aus derentMittel seine größten Feinde 
und Verfolger wider ihn ausgestanden. Sobald Herzog Heinrich von Bayern 
mit einer Empörnng wider den Kaiser schwanger ging, sobald fanden sich auch 
nicht allein Bischöfe im Lager, sondern Drei der namhaftesten Erzbischöfe in 
Deutsc;land, die zu seiner Partei traten.
        

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