Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237791
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so scheint Laocoon ein ewiges Schauspiel vor Göttern und Menschen sein zu 
sollen. Die Mittelfigur zumal ,,legt sieh Cwie Feuerbach sagt; mit ihren weit: 
geöffneten Gliedern und bloßgelegten Muskeln gleichsam zu einem klar und 
ruhig übersehbaren Schauspiel des Leidens auseinauder.U 
Dies; würde uns vielleicht gemacht vorkommen, wenn der Stillstand der 
Figuren nicht durch die Wiudungen der Schlangen begründet wäre. Lessing 
zuerst nannte es ,,einen sehr glücklichen und von einer unge1uein malerischen 
Phantasie zeugenden Einfall, die Gruppe durih die Schlangen in Einen Knoten 
zu schützen. Denn die gefesselten Beine geben die Idee der gehemmten Flucht 
und einer Art von Unbeweglichkeit, die der künstlichen Fortdauer des näm: 
lichen Zustandes so vortheilhaft ists, Heiuse meint sogar, die Schlangen voll: 
zögen den Befehl des Obern feierlich und naturgemäß in ihrer Art, wie Erd: 
beben, die Länder verwüsten. Auch Göthe hält es für eine glückliche Wahl, 
Menschen im Kampf darzustellen mit Thieren, die nicht als Massen oder 
Gewalten, sondern als ausgetheilte Kräfte wirken, nicht von. Einer Seite 
drohen, nicht einen zusammengefaßten Widerstand fordern, sondern nach ihrer 
ausgedehnten Organisation fähig sind, drei Menschen mehr oder weniger ohne 
Verletzung zu paralysiren: durch dieses Mittel der Lähmung werde, bei der. 
großen Bewegung, über das Ganze schon eine gewisse Ruhe u11d Einheit 
verbreitet. 
 Der Triumph der Kunst zeigt sich in dein, was als letztes Resultat ans 
dem allen hervorgeht: indem Flusse der Linien, der Silhouette des Ganzen. 
Friederich Vischer tritt der hier dnrchgefiihrten Ansicht am nächsten, wenn er 
meint, ,,daß der Ausdruck des moralischen Willens weniger in irgendeinem 
besonderen Zug zu suchen sei, als in dem ungestörten Adel aller Formen und 
Bewegungen und in dem reinen Schwung der Auge und Sinn beruhigenden 
,Kreisschwingung aller Linien der ganzen Gruppe, als einem unsichtbar:sichtbar 
ergossenen Geiste keusoher Grazie.H 
Die Gruppe ist nur für die Borderansicht berechnet, sie ist als Zeich: 
nung, man könnte sagen, reliefartig compouirt. Alle Glieder, Bewegungen, 
Linien sind so 11acl;driicklichwie geistreich eontrastirt und doch har1nonisch zu: 
sammenklingend. Und in diesem Linieneoncert kommt keine störende Wieder: 
holung von Parallellinien, keine Dnrchkreuznng, keine dishar1nonische Einzelheit 
Vor. Alle drei Figuren sind klar gesondert und geschickt ineinandergepaßt; 
nirgends Berührungen, nirgends leere Zwischenräume; keine ist durch die an: 
dere beengt, keine der anderen mit Beeinträchtigimg der eigenen Bewegung 
acco1nn1odirt. Und dieß Resultat von ,,Abgründen künstlerischer WeishcitU
        

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