Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237782
Stils. 
Werk plastifchen 
als 
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,,Die Alten, sagt Göthe, weit entfernt von dem modernen Wahn, daß 
.ein Kunstwerk dem Scheine nach wieder ein Naturwerk sein müsse, bezeichneten 
ihre Kunstwerke als solche durch gewählte Ordnung der Theile; sie erleichter: 
ten dem Auge die Einsicht in die Verhältnisse durch Shmmetrie, und so ward 
ein verwickeltes Werk faßlich. Durch eben diese. Sy1n1netrie nnd durch Ge: 
genstellungen wurden in, leiseu Abweichungen die höchsten Coutraste möglich. 
Die Sorgfalt der Künstler, mani1iehfache Massen gegeneinanderzustellen, beson: 
ders die Extreme des Körpers bei Gruppen gegeneinander in eine regelmäßige 
Lage zu bringen, war äußerst überlegt undsglückliih, sodaß ein jedes Kunst: 
werk, wenn man auch von dem Inhalte abstrahirt, wenn man in der Eut: 
sernung auch nur die allgemeinsten Umrisse sieht, noch immer dem Auge als 
eine Zierath erscheint.U  
Wollte man die 1nannichsachen Verhältnisse dieser Architectonik im ein: 
zelnen zergliedern, man würde kein Ende finden. So z. B. fahren die Glie: 
der der Hauptfigur kreuFweis auseinander; aber das Gesetz malerischer Freiheit 
forderte eine Neigung der einen Diagonale dieses Kreuzes nach rechts: nach 
dieser Seite hin flieht der Körper vor dem Biß der Schlangen. Zur Heu: 
stellung des ,Gleichgewichts erhielt der Sohn zur linken eine wegstrebende 
Richtung nach der entgegengesetzten Seite, während der Sohn zur rechten 
aus demselben Grunde ohne selbständige Bewegung an den Vater geleitet 
ist, an dem er wie ein schlaukes Gewächs an einem mächtigen Stamme hin: 
aufstrebt. 
Am sinnlichsten und un1nittelbarsten wird dieser Eindruck des Denkmal: 
artigen erreicht durch die Anordnung in Form eines Dreiecks oder einer Pyra: 
mide. Diese Form führt die Vorstellung des Ruhms auf fester Basis und 
des Abschlusses in einem Gipfel mit sich. Um diese Form zu gewinnen, haben 
die Künstler die Söhne, wie PerraultstJ nicht vergessen hat, ihnen vorzurücken, 
im Verhältnis; zum Vater zwerghaft klein gebildet. Durch die Anordnung 
dieses Dreiecks in Einer Fläche erhält das Ereigniß einen leiseu Anklang an 
eine Schandarstellung: wie der gefesselte Prometheus des Aeschhles Aether 
und Winde Ströme und Oeean, Erde und Sonne ausruft zu Zeugen seiner 
jahrtausendelangen Qualen: 
 
VII Jn dem Gedicht Les Sidc1e cis Louis le Grund. Nachdem er die Meisterwerk 
alten Scu1ptur aufgezählt hat, fährt er fort:  
I7CIeSt ioi, je l:ns0ue, oi1 1,audace est extrömo,  
De S0utenjk encore mon surprenant problöme; Eben VvtzUg der Ncucre10 
 Mnis si 17Art qui jamais ne se peut conte11t0r, 
DcIo0uvre des dc5f:1uts qui on Ieuk peut imputer, 
Si du Laocoon la Wille vk5närablc 
Do cetto do ges Als est par tk0p c1issemblab1e, 
Er Si les moites c0rps des serpons i11hum:1inS 
Au lieu de deux o11fn11s enve10ppcsnt dont; meins, etc. 
der
        

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