Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237766
Werk plaftissihen 
 als 
Stils. 
47l 
sters ebenfalls in der Symmetrie eines Kranzes; sie vermehren das Ehrwiirdige 
seiner Erscheinung, den Eindruck eines nnwiirdigen Leidens. Man möchte diesen 
Kreis anseinandersträubender Locken einen Strahlenkranz der Schmerzen nennen. 
Dies; alles vollendet den heroischen und edlen Ausdruck, den auch Thor: 
waldsen im Römischen Laocoonskopf, gegenüber dem Brüsseler, fand. Selbst 
Falcounet machte der Laocoon den Eindruck der Distinction. 
War nun durch diese und andere Mittel das Gräßliche gemildert, war 
damit gleichsam ein Schimmer ans der Sphäre des Geistes über die Gestalt 
ausgegossen, so griffen die Künstler sofort zu anderen Mitteln, um Schönheit 
und Harmonie in einen so herben und widerstrebeuden Gegenstand einzufüh: 
ren. Es ist ein Eletneutarfat,; der Lehre des Schönen, daß das an sich ästhe: 
tisch indifferente durch Zusammenstellungmit seinem Ebenbild oder Gegenbild 
einen ästhetischen Werth erhalten kann. Gesetzt eine Gestalt wie Laocoon wäre 
an sich abstos;end, verleHend: sobald wir ihr zwei Figuren zur Seite setzen, 
die mit künstlerischer Weisheit in verwandt:verschiedene Lagen gesetzt sind, 
löst sich der peinliche Eindruck auf in einem Ganzen harmonischer Bezie: 
h1mgen. 
Der Künstler hat die Schranken, welche ihm das Gesetz der Zeiteiuheit 
auferlegte, beseitigt, indem er die drei Acte des Dramas an die Personen ver: 
theilte. Der Vater war noch eben in dem Zustand, in welchem wir den 
älteren Sohn jetzt sehen; er wird sogleich in den Zustand übergehen, in dems 
der jüngere bereits sich befindet. Göthe sieht hier alle Empfindungen bei eige: 
nein und fremdem 4Leideu zusammengestellt: Furcht, Schrecken, Mitleid; durch 
diese Mauuichfaltigkeit hätten die Künstler ein gewisses Gleichgewicht in ihre 
Arbeit gebracht.  
Ja dem Jüngsten sehen wir schon das Ende. Von dem Feinde um: 
strickt, durchdrungen von dem tödtlichen Gifte, zeigt er schon die Sy1nptome 
der beginuenden Ermattung des Todes. Der Aelteste dagegen, unverwundet 
Und am losesten gefesselt, kann noch sich selbst nnd seine Gefahr vergessen in 
dem Anblick des Leidens des Vaters, dessen qualvolle Berzerrung in dem Blick 
dieses Sohns wiederklingt. So fest hat den Jüngsten der gewaltige Ring des 
Ungeheuers an das Knie des Vaters geschnürt, daß er fast schwebend getragen 
wird. Während hier in der Zurückbiegnug des Rmnpss durch die Schlangen: 
nmwindung die natürliche ausrechte Haltung fast aufgehoben ist, wird in der 
Biegung des Aeltesten mit dem emporgezogeueu Bein das freie Sichtragen 
des Körpers accentnirt. Zu diese Attitüden ist eine Leichtigkeit gelegt, welche 
mit der gewaltsamen Bewegung der Hauptperson contrastirt. 
Der Vater behauptet die genaue Mitte zwischen den Zuständen der 
Söhne, zwischen Todesfnrcht nnd Todesn1attigkeit. Er fürchtet nicht mehr, er 
kämpft nicht mehr, aber in dem Vorigen Augenblick hat er es noch gethan,
        

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