Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237582
Heroe. 
als Xeidender 
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fernter Weise könnte verglichen werden, Aufmerksamkeit nnd Bewunderung, da 
in diesem Bilde mehr verborgen liege, als das Auge entdecke und der Ver: 
stand des Meisters viel höher noch als das Werk gewesen seist 
Er führt nun im einzelnen den Nachweis, wie die Bildhauer in der 
Hauptfigur zwei gewaltige Kräfte im Antagonismus anfführten; zwei Kräfte, 
welche von entgegenliegenden Enden, die eine von der sinnlichen Natur, die 
andere von Geist nnd Willen herkommend, in der Leidensgestalt zusammen: 
stoßen, miteinander ringen, aber in dem Moment der Statne sich das Gleich: 
gewicht halten. 
,,Laocoon ist eine Statue im höchsten Schmerz, nach dem Bilde eines 
Mannes gemacht, der die bewußte Stärke des Geistes gegen denselben zu 
sammeln sucht. Indem sein Leiden die Muskeln anschwel1t 1md die Nerven 
anzieht, tritt der mit Stärke bewaffnete Geist in der aufgetriebenen Stirn 
hervor; die Brust erhebt sich durch den bekle1nmten Odem und durch Zurück: 
haltung des Ausbruchs der Empfindung, um den Schmerz in sich zu fassen 
und zu verfchließen.U Besonders in der Stirn 1in den beiden hier einander 
direct entgegenwirkenden Contractionen des Stirnmuskels und des Rnnzlers 
der AugenbrauenJ findet er diesen Streit zwischen Schmerz nnd Widerstand  
To thoe the strife was given 
Between the sufkeki11g and the will sk 
,,wie.iu einem Punkt vereinigt mit großer Weisheit gebildet. Denn indem 
der Schmerz die Augenbrauen in die Höhe treibt, so drückt das Sträuben 
wider denselben die Stirnhaut niederwärts und gegen das obere Augenlid zu, 
sodaß dasselbe durch das übergetretene Fleisch ganz bedeckt wird.U Auch die 
Gewaltsamkeit der Muskelaction des Körpers führt er auf diesen Kampf zu: 
rück: ,,Die Regung der Muskeln au1 Laoeoon keiner durch das Ideal erhöhten 
NatnrJ ist über die Wahrheit bis zur Möglichkeit getrieben; sie liegen wie 
Hügel, welche sich ineinauderschließen, um die höchste Anstrengung der Kräfte 
in Leiden und Widerstreben auszudrücken.U 
Es ist aber nicht bloß der Kampf des Willens gegen den Schmerz: 
Laocoon hat in seiner dnrchbohrenden Qual, in seiner hoffnnngslosen Lage 
noch Raum übrig, an seine Söhne, an die Götter und an das Unverdiente 
seines Looses zu denken. ,,Sein eigenes Leiden scheint ihn weniger zu be: 
ängstigen, als die Pein seiner Kinder, die ihr Angesicht zu ihrem Vater wen: 
den und um Hülfe schreien: denn das väterliche Herz offenbart sich in den 
wehmüthigen Augen nnd das Mitleiden scheint in einem trüben Duft auf 
denselben zu schwimmen. Sein Geßcht ist klagend, aber nicht schreiend; seine 
Augen sind nach der höhern Hülfe gewandt. Der Mund ist voll von Weh: 
muth, nnd die gesenkte Unterlippe schwer von derselben; in der überwärts ge: 
zogenen Oberlippe aber ist dieselbe mit Schmerz vermischt, welcher mit einer
        

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