Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-233341
Anblick der Stadt. 
Die Academie. 
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Länder nn1hergetrieben worden; er war in Ungarn evangelischer Prediger, dann 
im Türkenkrieg Dolmetscher gewesen; er hatte Italien und Venedig gesehen; 
und war auf Leibniy7 Empfehlung, dem er das Russische lehrte, Mitglied der 
Academie der Wissenschaften geworden. Ihm verdankt die Mark Brandenburg 
die Einführung des Seidenbaus; er pflanzte zuerst auf den Wällen Berlins 
Maulbeerbäume und veranlaßte den König, derartige Pflanzungen auf den 
Kirchhöfen der Städte nnd Dörfer anzuordnen C171sJ. 
Hier hatte nun der schaulustige Jüngling zum erstenmale den An: 
blick einer schönen modernen Stadt; bedeutende Theile dieser Stadt stie: 
gen gerade damals vor seinen Augen in die  Hier erhoben sich die ansehn: 
lichen Paläste, welche die Prachtliebe des ersten Preus3enkönigs in wenigen 
Jahren geschaffen hatte; hier hatte vor 38 Jahren der größte Banmeister 
seiner Zeit den verworrenen Co1uplex der Gebäude des alten churfürstliihen 
Schlosses in ein zusa1nmeustimu1endes und wahrhaft köuigliches Ganze umge: 
wandelt, s. dessen Balnstrade damals noch mit ihrem Bilderschmuck prangte. 
In der Nähe stand auf der langen Brücke, deren Pfeiler auch noch ihre Fluß: 
götter trugen, die Triu1nphatorstatne des großen Kurfürsten; nnd auch an dem 
Zenghause, das Bodt vollendet hatte, zeigten Trophäen und Masken sterbeuder 
Krieger die Spuren der zwölfjährigeu Wirksamkeit Andreas Schlüters. 
Von solchen Prachtbauten war nun zwar unter Friedrich Wilhelm I keine 
Rede mehr; die Bauthätigkeit beschränkte sich auf das Nützliche, aber sie war 
nicht weniger regsam.  
 Neue Vorstädte entstanden in jenen Jahren Cl732s3s2; die Friedrichs: 
stadt ward um die Hälfte vergrössert, nnd der König wollte, daß die freilich 
nur zweistöcligen und sehr einförmigen Häuser sämmtlich von Stein ausgeführt 
würden. Der Petrithur1n stieg langsam empor. Die böhmische Kuppelkirihe 
ward l735ss37 vollendet; undsfür Pslasteruug, Beleuchtung, für Dämpfung 
des Flngfands wurde erst damals durchgreifend gesorgt. Eben im Jahre 1735 
hatte der König den Baunnterueh1nern große Geschenke gemacht; die Mar: 
schälle Grafen von Schuleuburg nnd von Truchseß, die Herren von Schwerin, 
MarschalI und Happe erhielten jeder für 40,000 Thaler Baumaterialien; und 
andere Privaten nach Verhältnis; der Häuser. Der Adjutant von Derschan 
beredete den König, dem er auf Kosten des Publikums den Hof machen wollte, 
die Bauten unter die Angestellten zu vertheilen, und machte nach Gunst und 
Haß die Pläne und vertheilte Pläne und Materialien. So wurde z. B. die 
Wilhel1nsstraße von Ministern, Generalen und Handwerksgeuosfenschaften 
zwangsweise gebaut. 
damals viel mehr Sparta als Athen; nnd der 
an Voltaire, ,,daß die Künste untergehen und 
Sonst aber war Berlin 
Kronprinz schrieb noch 1737
        

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