Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237520
Rückblick. 
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er nach Durchwanderung aller Systeme den ihm eongenialen Meister fand, 
in stür1nischer Freude des Findens ausruft: To:7rms ZLJ2jrow  den hab. 
ich gesuchtl 
Diese Spontaneität des Genius ist auch der dominirende Zug in Winckel: 
tnanns Bildungsgefchichte. Diese Spontaneität aber zeigt sich in zwiefacher 
Weise. 
In allen den Dingen, auf welchen der Nachruh1n Winckelmanns und sein 
Name ruht, in diesen Dingen erscheint er im Stich gelassen von Hiilfsmitteln, 
Mustern, Anregungen: ohne Führer und ohne die Aufmunterung, welche im 
Zeitiuteresse und in der Verbindung idealer Ziele mit dem realen Ziel einer 
sichern Lebensstellung liegt. Solche Dinge waren die griechische Literatur, die 
deutsche Prosa, die bildende Kunst. Die wenig glänzenden Bilder dama: 
liger Zustände, welche diese Blätter enthalten, sollten veranschaulichen, daß die 
Natur für Winckelmann eine ebenso hnld,volle Mutter, wie das Schicksal eine 
Stiefmutter gewesen war. I 
Ganz dem Anstoß seiner Natur folgend erscheint Winckelmann in seiner 
Hinwendung zu den Griechen, in seiner antik:hellenischen, heiduischen Sinnes: 
weise, in seinem Freundschaftscultus; ganz sein eigenes Werk war die für seine 
Zeit feltue Kenntniß griechischer Dichter und Alterthümer, welche zum minde: 
sten die ausreichende, damals einzige Vorbereitung für feine spätere Kunsther: 
1nenentik war.  
Daß ein Mann, der bis zum dreis;igsten Jahre in einem Lande gelebt 
hatte, ,,wo das reine Deutsch nicht zu Hause warst; der die Alten mehr als 
die Neuen, die Ausländer mehr als die Deutschen gelesen hatte; dem die 
neuen Anfänge in unserer Literatur fast ganz, die Anfänge Klopstocks und 
Lessings ganz fremd geblieben waren; der durch Hang und Noth auf Lesen 
und Excerpiren angewiesen, die bildende Uebung geistVoller Unterhaltung nur 
wenig genossen hatte, daß ein solcher Gelehrter in seinem ersten Versuch mit 
einem Stil hervortrat, der fast allen Gebrechen, damaliger deutscher Profa die 
entsprechenden Tugenden gegenüberstellte, und der, obwohl in den Anfängen 
einer rasch ablaufenden Reihe von stilistischen Phasen unserer Prosa geschrie: 
ben, außer in Nebendingen, clasfisch geblieben ist: dieß ist gewiß das Zeugnis; 
eines stilistischen Talents vom ersten Rang.  
Am ausfallendsteu aber zeigt sich dieß Verhältnis; in den bildenden Kün: 
sten. Das; jemand, dessen erste Augenweide ein Raum war, der zugleich als 
Schusterwerkstätte, Wohu: und Schlafzinnner diente, der seine eindrucksfähig: 
sten Jahre in Schul: nnd Bibliothekstuben, in den Sandebenen und Nebeln 
des Nordens zugebracht, der bis in die Mitte der Dreis;iger von Knnstwerken 
entfernt gelebt und keine Kreide in die Hand genommen hatte, daß dieser 
Mann aus einmal mit einem ausgebildeten, nicht etwa gothischen oder male:
        

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