Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237381
Aufnahme im Publicum. 
433 
durch alles, was den Geist austrockuen und 
niedergedrückt, aber nicht gedämpft worden ist. 
verk11öchern 
kann , 
lange 
Zeit 
Aufnahme 
im 
Publicum. 
Jn dem Chor der Stimmen, die sich nach und nach über die erste Schrift 
Winckel1nanus erhoben, waren die Lober die Mehrzahl. 
Natürlich wurde sie von dem Kreise der Hagedorn, Lippert und aller, 
die sich der Dictatur Heineckeus nicht unterordnen wollten, mit großer Befrie: 
digung aufgeno1nn1en. ,,Die Schrift, schreibt Winckel1nann den 4. Juni l755, 
hat einen unglaublichen Beifall gesunden; nnd es haben mir große Kenner, 
in Absicht der großen Freiheit wider den hiesigen Geschmack, das Co:nplimeut 
gemacht, das; ich die Bahn gebrochen zum guten Geschn1ack.U Aber auch in 
den Hofkreisen, die August 1Il. zu Gefallen in Kunst dilettirten, interessirte 
man sich für eine Schrift, deren Dedication an den König Brühl veranlaßt 
hatte, und deren Verfasser der Liebling des Pater Leo war. Die Generalin 
Theodora Engenie von Löwendahl, geborne von Schmettau  
die gefchiedene erste Frau des berühmten Wolde1nar von Löwendahl C1700.s 
t755J, beabsichtigte eine Uebersetzung ins Jtalieuische zu machen; Bianeoni 
hatte ebendazu Lust. Kurz, Winckel1nann war der Mann des Tages  für 
zwei Tage. 
Anders benah1nen sich die privilegirteu Kunstkenner und Alterthnn1s: 
gelehrten. Aus welchen Motiven, erhellt aus Winckel1nanns Klage über den 
,,Ungestüm gewisser Leute gegen den Verfasser, die nicht zugeben wollen, daß 
man eines und das andere schreibe über Dinge, wozu sie gedungen 
sindU. Hütten doch selbst bei Griechen und Römern Nichtkünstler über 
Werke der Kunst geurtheilt, deren Urtheil selbst unsern Künstlern gültig er: 
scheine. ,,Jch finde nicht, daß der Küster in dem Tempel des Friedens zu 
Rom, der das Register über den dortigen Schatz von Gemälden haben mochte, 
sich ein Monopol der Gedanken über dieselben augen1aßt, da Plinius diese 
Gemälde mehrentheils beschrieben.U Hier ist der Küster der Dresdener Gal: 
lerie, Oesterreich, gemeint; auch der Hofrath Richter gehörte zu den Tadlern 
und der Jnspector:Adjunct der Antikengallerie, Johann Cronawetter. ,,Er hat, 
spottet Winckelmann, viel neue Entdeckungen gemacht ,s sonderlich zu einer Gen 
schichte der alten Münz1neister; und man sagt, er werde die Welt aufmerksant 
machen durch einen Vorläufer von den Münzmeistern der Stadt Cyzicun1.U 
Doch scheint ihm dieser allerdings wenig gesalzene Spott nicht übelgenonnnen 
worden zu sein: wenigstens hatte Cronawetter später mit dem Druck der bei; 
den Auhänge zu den ,,GedankenH zu thun, welche erst nach Winckelmanns Ab: 
reife herauskamen C3. April 1756I. 
Juki, Winc1elIuauU. 28
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.