Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237372
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Character 
S tils. 
seines. 
Streben nach höchster Kürze, nach knappster ZusannnendrLingnng eines reichen 
Inhalts.  
Hier bemerken wir deutlich den Einfluß moderner Vorbilder. Die Schrift 
besteht ans lauter kurzen Abschnitten und sentenzenhasten Sätzen, die in ge: 
fälliger Rundung, in geflügelter Bewegung dahineilen. Er hat sich jene 
Selbstbeherrschung auferlegt, die stets vor einem Worte zuviel nnd vor dem 
Vergessen des rechtzeitigen Abbrechens auf der Hut ist; jene feine Wahl, die 
aus einer unermeßlichen Leetiire nnd langen Meditationen nur Qnintessenzen 
giebt. Auch der gute Ton, welcher sich, statt Schüler, Kenner vergegenwär: 
tigt, die nur einer Erinnerung mit halben Worten bedürfen,  dieser gute 
Ton, den er später, bei gesteigerte1n Selbstgefilhl, mit einem viel magistra: 
leren Ton vertauschte, scheint ans dieselbe Gegend hinzuweisen, aus welcher 
der von Schlegel bemerkte ,,leichte Anstrich französischer WendnngenU stammte. 
Jn den Anfiihrnngen aus Winckel1nanns in Sachsen geschriebenen Briefen 
ist dem Leser die Menge der in unserer Sprache nicht eingebiirgerten sran: 
zösischen Worte aufgefallen: es waren Ne1niniscenzen aus den dnrchwegsin 
französischer Sprache geführten Verhandlungen, welche er dar,inserzählt. Von 
dieser Sprach1nengerei ist unsere Schrift frei. sL 
Der Eindruck der Genialität wird vollendet durch die dnrchgängige Naive: 
tät des Stils bei aller Kunst nnd Sorgfalt. Der Schreibende. ist ganz in 
die Sache verloren. Weil er selbst gedacht hat, kann er nicht umhin, Ein: 
grisfe in die Sprache zu macheu:. er fürchtet sich nicht vor ungewöhnlichen, 
selbstgeschaffenen Ausdrücken nnd Weudungen, die an Solöcismen streifen.7sj 
Die Mittel1näßigkeit darf sich bloß in dem Schnitt aller Leute an die Oefsent: 
lichkeit wagen; nur das Genie kann hier im DeshabillcsZ erscheinen nnd den 
Pedanten ein Aergernis3 und eine Thorheit werden. 
Nicht zu längnen, ist jedoch, daß mancherlei gran1matische UnvolIko1nmen: 
heiten LSchlegel nennt schielende Ausdrücke, nngeschirkte Wortstellnngen, schlep: 
pende Wortfiignngen nnd daraus entstehende VerworrenheitJ, überhaupt eine 
gewisse 1Inbeholfenheit den unersetzlichen Mangel friih3eitiger Uebung, die Un: 
zulänglichkeit einer Bildung des Stils durch bloßes Lesen verrathen. Sein Stil: 
gesühl kämpft mit einer Cwenn ich so sagen darfj Steifheit der Organe, die 
dein Geist nicht,mehr ganz gehorchen. Man erkennt ein lebhaftes Naturell, das 
N Z. B. ,,Kenntlicher und be3eiä;ue11der wird die Seele in heftigen Leis 
de11schaften; groß aber und edel ist Je in dem Stand der Einheit.ssEin Fleisch, 
welches die Haut ohne schwiilstige Ausdehnung füllet, und bei allen Be11gunge1r 
der fleischigen Theile der Richtung derselben vereinigt folget.  Die Kraft der 
Farben ist zum Theil ausgewittcrt.  Der große und mcinnliehe Coxktour, ohne 
Dunst und überfliissigen Ansay.  Die innere Empfindung bildet den 
Character der WahrheitUCS.14p.  ,,GewäehseU für Gestalten.
        

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