Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237348
Stilistifchc Maximen. 
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wo sie erscheint g: wer hätte einem solchen Advocaten des Alterth1i1ns wider: 
stehen könnenl 
Wie gewandt weiß er zu verbergen, das; er über diese Dinge noch gro: 
s;entheils vom Hörensagen redet, lehrt, was er gestern gelernt hat,  ein 
Umstand, dem wir freilich auch die Frische der Sprache zu danken haben. Wie 
gut trifft er den Ton des Eingeweihten, der im Rath alter und neuer Künstler 
gesessen hat nnd ans solchem Rath heraus seine Orakel ertheilt.  
Ein so ansgebildeter Stil, wie der, welchen Winckelmann hier bereits 
handhabt, wird niemandem ohne feste Grundsätze, ohne Studien zu Theil. 
Winekelmann stellte sich selbst hohe Forderungen; dies; zeigen eine Menge 
Stellen seiner Briefe. Er arbeite,.erzählt er, feine Sachen mehr als einmal 
1nn. Er komme zuletzt mit seharfem Messer darüber; er fürchtet falsche Ge: 
danken, die dem Verfasser schmeicheln nnd nicht Platz machen wollen. Wie 
oft wiederholt er, ,,daß es der höchste Lohn für ihn sein werde, wenn er der 
Nachwelt würdig geschrieben zu haben erkannt werdeU. Man soll Ach vor: 
stellen, im Angesicht aller Welt zu reden nnd alle Leser für seine Feinde zu 
halten. VI Aehnlieh sagt Hamann: ,,Niiht der Beifall des gegenwärtigen Jahr: 
hunderts, dasswir sehen, sondern des künftigen, das unsichtbar ist, soll uns 
begeistern. Wir wollen nicht Unsere Vorgänger beschämen, sondern ein Muster 
für die Nachwelt werden.U 
Ich stelle hier die Maximen, welche Wintkelmann damals nnd später 
über den Stil gab, zusammen, weil sie schon in diesem Anfang sännntlich 
beobachtet sind. Sie werfen sich dem damaligen deutschen Prosastil entgegen; 
sie sind ans dem Widerwillen an diesem wäfserigen, iharacterlosen Stil her: 
vorgegangen , der an die Stelle der früheren Sehwülstigkeit und Sprachmengerei 
getreten war. 
Gegen den deutschen Erbfehler der Weitschweifigkeit geht die Regel, ,,in 
der Sündflnth von Schriften, mit welchen die Welt überschwemmt ist, eine 
erleuchtete Kürze zu suchen iwie dichte Körper viel Materie unter wenig Aus: 
XI Unter den sehr zahlreichen Schriftftellcrmaximen in den Eollcctanecn findet 
sich die Notiz, daß PelIisso1l Von Sara3i11 sage: 1l se s0uvient t011j0uks qu9i1 entres 
tient, toutes les nati0ns et tous los sicscl4;s, qno tonte la ter1sF l,6c0ute, qulil parl0, 
pour ainsi.ciir0, devant l7assembl6o publ1que du gen1se l1uma1n. Andere einschlägige 
Sätze: Les ouvrages oft t.0ut le monc1e pruni part, donncnt bie11 plus do k6pumtjon, 
que los plus exccllens q1H1 ne sont entenduoS que par des ovsprits sublimos.ssBac0n 
obsorves, that a well wk1tte11 book, c0n1pis.rnd with all bis rivaIs and :111tagoni5ts, is 
like Moseis serpent, that immociiat0ly swa1low7d up and clov0urcsd those of the Egyps 
    
Voll CoWicy: Bach petty critic does 0bjec:ti0ns rise. 
The greatest ski1l is knowing when to praiso. 
Von Rosco1Unlon: Of things in which mankind does most e1ce1l, 
Nature7s Chief mastorspieco is writing well.
        

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