Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-237132
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krauke .Königssohn 
Der 
 Selbst als unvorhergesehener Weise die Dedication an den König be: 
schlossen wurde, wollte man sich nicht entschließen, die Stelle zu streichen, in 
der die OrnaInente des Jagdschlosses Hubertnsburg getadelt worden waren. 
Der .Hosbildhauer MattielIi, der siih gewöhnlich von Oeser die Zeichnungen 
zu solchen Decorationssculpturen machen ließ, hatte dießmal Entwürfe zu einer 
Diana mit Nymphen und Jagdgeräthen erhalten. Aber dem Hof gefielen 
diese Zeichnungen nicht; man verlangte Arn1aturen und Trophäen. Diese 
königliche Wahl hatte Winckelmann als ein Beispiel nnpassender Verzierung 
anzuführen gewagt. Indes; diese Kühnheit war nicht allzu gefährlich; er 
hatte einen guten Fiitsprecher: man sagte ihm, ,,daß es ein Glück sei, wenn 
man unter solcher Protection Csie verstehen den VeichtvaterJ schreiben könne.U 
Auch die Beschreibung eines Gemäldes des Ge5rard de Lairesse gehört 
hierher. Durch einen, soll man sagen, tückischen Zufall ist dieß die einzige 
ausführliche Schilderung eines Ge1näldes von Winckelmanns Hand geblieben. 
Es war mit anderen aus dem Cabinet des Herrn de la Boixieres vorseini: 
gen Jahren in Dresden angeboten worden. ,,Man nahm die schlechten Stücke, 
und das beste ging wieder nach Frankreich zurück, weil es Niemand ka11ute.WsJ 
Oeser hielt es, und Winckelmann nach ihm, für eins der ersten Ge: 
mälde in der Welt; seine Schilderung ist ein mit Ueberlegnng geschärfter Pfeil 
sitt: die .,unwissenden Leute, denen die Aufsicht über die größte Gallerie der 
Welt und über die Antiken anvertraut istU: Heinecken und Oesterreich. 
Es ist die bekannte Scene des ,,kranken KönigssohnsH  der von ges 
hei1ner Liebe zu seiner Stiefmutter verzehrt wird, in dem Augenblick, wo die 
Erscheinung der geliebten Königin am Siechbett die EnthülIung bringt, wes: 
eher dann durch den Edel1nuth des Vaters die wünschenswertheste Lösung folgt. 
Ein außerordentlich glückliches und fruchtbares Snjet, das auch Göthe 
viel beschäftigt hat, wie die mehrfache Erwähnung im Wilhelm Meister zeigt. 
Es soll das Lieblingsbild des Helden dieses Romans in seiner Jugend gewesen 
sein, den als Dilettanten der Gegenstand in Gemälden stets mehr reizte, als 
die Kunst. ,,Wie jammerte mich ein Jüngling, der die süßen Triebe, das 
schönste Erbtheil, das uns Natur gab, in sich verschließen, und das Feuer, 
das ihn und andere enväm1en und beleben sollte, in seinem Busen verbergen 
H Das Bild wurde später, vielleicht in Folge des Winckelman11schen Pcn1egyricus, 
dank; den Großherzog Von Meeklenburg:Sä;werm angekauft. Nach der Schlacht bei 
Jena wanderte es nach Paris, wurde 1815 zurückgegeben und befindet sich jetzt in 
Ludwigslust. Es,ist nur is 7V2U breit und l, 1U hoeh. Jn1 Musc5e Napo1cFon steht 
es unter Nr. 613, gestochen von Filhol; in Laurent78 Masse R0ya1 unter Nr.32 von 
Bacquoy. Eine größere Wiederholung befindet sich in der Kunfthalle zu Caxlsruhe. 
Vgl. Göthe7s Wilhelm Meister I, 17. v111, 10. Jc; verdanke einige Nachwe:se und 
Winke über das Gemälde Herrn Eduard Kolloff zu Paris.
        

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