Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-236257
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und 
Apologie 
Selbftapologic. 
die Winckel1naun ,im Begriff stand zu gestehen: so erklärt sich der für uns 
oft wahrhaft peinliche Ton seiner Briefe an Bünan. Diese Briefe, sagt 
Göthe, zeugen von einem uiedergedrückten, in sich selbst befangeuen Geuiiithe, 
das an einen so hohen Gönner kaum hiuaufzublicken wagt.  
Er möchte seine ,,nnanständig nnd undankbar scheinende UnbestäudigkeitU 
rechtfertigen. Aber er ,,läs3t sich nicht einfallen, sich Büuau persönlich zu zeigeu.H 
Er bekennt: ,,Jch habe mich Dero ferneren Geduld mit mir uuwürdig ge: 
macht; ich flehe aber Dero Herz voll Güte nnd Gnade an, mich wenigstens 
zu hören.H ,,Mein Entwurf kann thöricht, verwegen, ja Vielen gottlos und 
abscheulich scheinen. Aber ein erleuchtetes Auge, womit Ew. Excellenz nach 
dem Bilde der Gottheit das Ganze der Dinge anzusehen pflegt, wird mich 
leicht zu entschuldigen finden können.    Ich falle Erd. Excellenz demüthig 
zu Füßen  ich hoffe, das Herz voll Menschenliebe, das meine vielen 
Fehler gnädig übersah, werde doch zuletzt wenigstens menschlich über mich 
nrtheilen.U 
Winckelmanns würdig ist weder der Armefünderton seines Bekenntnisses, 
noch der Jubel über die naihsichtige Beurtheilung.. Sollte man denn hier 
denken müssen an das Pope7fche, To me11 a c0ward, and a brave to GodP 
Wie wenig stimmt dieser Ton zu der Maxime, die Winckel1nann in Italien 
den Großen gegenüber befolgte: ,,demüthig bis zum Staub sollen wir sein mit 
Geringen, aber gegen Große das Haupt erheben, und es zu feiner Zeit sin: 
ken lassenU Cvom 5. Mai l764s. 
Soll man aber nickt verzweifeln an der Gültigkeit aller solcher Urtheile, 
wenn man die Bemerkungen Göthe7s und Herders über den Brief an Bünau 
nebeneinander lieft9 Der eine nennt ihn einen wahren Galimatias, einen 
unglüeklithen verworrenen Aufsatz; der andere findet auch in diesem Briefe, 
,,den Winckelmann fast mit jngendlieher Schamri5the darüber und zugleich mit 
heroischem Muthes schrieb, Züge der kindhaft guten, bescheidenen, aber auch 
heroisehen Seele Winekelmanns.U 
ApVIvgie 
und 
Selbstapologie. 
Während dieser Zeit des Zwiespalts zwischen innerem Trieb und cnt: 
gcgengeworfenen Bedenken, suchte Winckelmann eine Menge Gründe hervor, 
in denen, aphoristisch und verworren, alles enthalten ist, woraus seine Selbst: 
apologie bestanden haben würde. 
 Jn erster Instanz glaubte er, sich auf die Reinheit feiner Zweckes berufen 
zu dürfen. Nie würde er im Stande gewesen sein, um äußerer Vortheile 
willen ein solches Opfer zu bringen. Es ist bei allem diesem nicht auf Be: 
wirkung eines scheinbaren größeren Glückes abgesehen. . . .  Jch wollte nach
        

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