Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-236193
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Berha11dlungen 
Die 
sein; jedenfalls war diese Ankiindignng eine voreilige gewesen. Erst dreiviertel 
Jahre später, im December l753, verlantet wieder etwas von der Sache: aber 
hier ist der entscheidende Schritt ferner gerückt, als iu1 März. 
Ein Brief von Berendis hat ihn ,,sehr bestürzt gemacht.H Die Ver: 
handlnng ist schon kein Geheimnis; mehr: ein Mensch, der sich um die Stelle 
des abgegangenen Dressel an der gräflichen Bibliothek gemeldet, ein Jtaliener, 
hat es Biinan verrathen. Winckelmann aber will das Geheimniß noch wah: 
ren: er antorisi1t Berendis, ,,11autement zu sagen, der Herr sei schlecht berich: 
tet gewesen.U Alles sei nur gefolgett ans einigen Adressen, die er sich, des Zu: 
tritts zur Gallerie, halber gemacht: im Hause des Jnspeetors Riedel habe er 
den Beichtvater getroffen, auch ein paarmal besucht; woraus aber nichts zu 
schließen sei: denn der Pater sei ein liebenswürdiger Mann l,,wobei Du sei: 
neu Character machen kannst so aimable, als du willstUJ. Damit Berendis 
dies; alles mit besserem Gewissen sagen könne, theilt er ihm mit, daß Rauch 
aus Grodno vom 24. October zwar schreibe, ,,das3 nach Briefen ans Rom die 
Sache so gut als gewiß sei snt neg0tinm c0nfectum c1ic:i p0ssitJ; dies; heiße 
aber nur,  ,,ich soll nicht ungeduldig werden. Wie könnte ich also danach 
die geringsten Mesures nehmen, oder gar davon reden. Es kann noch viel 
dazwischen kommen, wenn sonderlich die Conditiones nicht annehmlich sind.H 
Berendis will, wie es scheint, von dem allen nichts wissen: er stellt ihm 
vor, man müsse gegen den Herrn mit der Sprache herausgehn; schildert aber 
zugleich die zu erwartende Aufnahme in einer Weise, die Winckelmann zum 
etstenmale in ernstliche Unrnhen über sein Vorhaben stürzt. Seine eigenen 
freundschaftlich:ernsten Vorstellungen fügt er hinzu. 
In der Antwort vom 6. Januar 1753 bricht diese Unruhe in den leb: 
haftesten Ergießungen hervor. ,,Niemals ist mir ein Brief saurer als dieser 
geworden. Ich befiirchte endlich, nach so vielfältigem Widerrathen Deinen 
Zorn nnd Ungnade   Du hast mir gerathen als ein Freund, als ein Vater 
seinen Kindern rathen kann. Die Gründe, die Dir ein Herz voll Zärtlichkeit, 
voll wahrer Treue dietiit, haben mich mehr, als mir selbst lieb war, überzeugt, 
das; meine Veränderung sehr sorglich sei.  Oft verwerfe ich, was ich ver: 
langt, dann verlange ich wieder, was ich verwerfe. Seh bin.in großer Un: 
ruhe. Die Sache ist zu weit gckonn,nen.U  
Göthe bemerkt hierzu: ,,Wir können nach unserer Ueberzeugnng, nach ge: 
nugsam erwogenen Gründen, endlich einen Entschluß fassen, der mit unserm 
Wollen, Wünschen und Bedürfen völlig harmonisch ist, ja zur Erhaltung und 
Förderung unserer Existenz unansweichlich scheint, sodaß wir mit uns völlig 
zur Einigkeit gelangen. Ein solcher Entschluß aber kann mit der allgemeinen 
Denkweisc, mit der Ueberzeugung vieler Menschen im Widerspruch stehen; dann 
beginnt ein neuer Streit, der bei uns zwar keine Ungewißheit, aber Lille Un:
        

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