Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-236039
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Franzi5fkfc7C 
Kunftliteratur. 
gen, maßlofen Lobfp1süchen und lungengefährlichen Perioden, deren Stil sich 
für einen Erklärer der Aelja Laelja Orjspis Wes berüchtigten Bolognefer 
Räthfelsx eignen würde. 
Auch die Franzosen gingen, nur mit viel mehr Geschick, auf Populari: 
sirung der Kunstkenntnisse aus. Sie haben das edle Metall, welches die 
italienischen Gelehrten, mit werthloser Erde versehn zu Tage gefördert hatten, 
ausgeschieden nnd in gangbare, wenn auch etwas leichte Münze umgeprägt, 
die einen Cours durch ganz Europa erhielt. 
Nicolas Ponssin lobte Roland Fre5art de Eha1nbrah als den ersten Frau: 
zosen, der denen die Augen geöffnet habe, die nur mit fremden Augen sehen, 
der einen starren nnd schwer zu hanthierendeu Stoff erwärmt und erweicht habe. 
Seine ,,Jdeesder Vollkommenheit der MalereiH c1672J, die derselbe größte 
Maler Frankreichs ,,eine süße Weide für bekümmerte .Seelen0 nannte, erläuterte 
die Principien der Malerei an vier Bildern Raphaels. 
Die ,,UnterhaltnngenU des Andre Felibien  verdankten ihr 
Bestes den Gesprächen, welche der Verfasser zu Rom mit demselben Poussin 
über die Schönheiten der großen.Maler gepflogen hatte; seine Schätzungen 
lassen allerdings den klaren, ernsten und gründlichen Geist des Malers von 
Andelys erkennen.  
 Bei weitem der fruchtbarste und erfolgreichste Kunstlehrer aber war Roger 
de Piles  Er verstand es, verwickelte und verworrene Ma: 
terien klar und einfach zu machen. Durch ihn hauptsächlich wurde die Kunst: 
kenntnis3, soweit sie außerhalb des Ateliers fällt, zu einem übersichtlichen . 
Ganzen deutlicher Begriffe und Sätze redigirt; seidem verband man eine Gruppe 
fester Vorstellungen mit den Namen der großen Maler. 
Aber durch ihn wurde auch die academische Auffassung der Kunst bis 
zur schrecklichsten Trockenheit fortgetrieben. Er wollte an die Stelle der Doxo: 
logien der Jtalieuer und der Adoocatenberedtsamkeit der Schulen ein wirkliches 
Urtheil setzen; indem er nun eines jeden Verdienst in seine Bestandtheile zer: 
legte und wieder das besondere Verdienst dieser Theile abwog, kam er auf 
den Einfall der berüchtigten balanee des pejntres, die er auf Bitten seiner 
Freunde dem C0nrs de peintnre cl708J beifügte. Vier Elemente, Zeichnung, 
Composition, Ausdruck und Colorit wurden unterschieden, für jedes Element 
eine Werthseala von zwanzig Nummern ausgestellt, und jedem Meister seine 
vier Nummern angewiesen. Die Summe dieser Zahlen, oder wie de Mairan 
C1753j bewies, ihr Product, gab das Generalverdienst. 
Dies; war eine Spielerei zum besten des Gedächtnisses: 1MtU braucht 
heute niemand mehr daran zu erinnern, daß man auf diesem Wege nur das: 
jenige in der Kunst begreift, was bis auf einen gewissen Grad gelernt werden
        

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