Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-233071
In solchen Worten haben sich Göthe, F. A. Wolf, Herder, SihelIing, die 
Stael, Ru1nohr nnd Schlegel über Winckelmann ausgesprochen. 
Dieser sein Ruhm ist auch noch bestehen geblieben vor dem viel kältern 
Urtheil unsers Jahrhunderts, das ihm viel fremder gegenübersteht. Er ist es, 
sagt Gewinns, der das Reich des Schönen für Deutschland öffnete; dnrih ihn 
wurde die Einführung des plaftisdhen Elementes in unsere Dichtknnst vorbereitet; 
er faßte die Idee einer gefchidhtlichen Entwickelung der Kunst, von der seit den 
Alten Niemand eine Ahnung gehabt hatte, wie denn auch nach ihm Keiner 
gekommen ist, ,,dem es gelungen wäre, ihm auf feinem Wege nachzugehen, nnd 
dem das Herz auf dem Flecke gesessen hätte, wo es ihm saß.U So ,,errang er 
Judith Otto Jahns WortenJ, wie vor ihm Keiner und nach ihm nicht Viele, der 
Tiefe nnd Klarheit, der Kraft 1tnd Gediegenheit des deutschen Geistes durch 
ganz Europa hin bewnndernde Anerkennung.H 
Hundert Jahre sind nun bald dahin, seit Winckel1nann aus den Lebenden 
weggeriffen ward; und noch immer fehlt ihm die Erzählung seines Lebens, die 
Abrechnung seiner geistigen Hinterlassenschaft: noch immer steht seine Nische in 
dem biographischeu Pantheon leer, während seine Büste sihon lange im Pan: 
theon des Agrippa aufgestellt ist.  
Er selbst dachte vorübergehend daran, den Deutschen einen Bericht über 
sein Leben zuriickzulassen. Man hatte ihm ein Paar Blätter nach Rom geschickt, 
darin hatte ein alter Schuleollege alles ausgekran1t, was er von ihm wußte 
nnd nicht wußte; ärgerlich schrieb Winckel1nanu seinen Freunden: ,,Die Deutschen 
haben nicht Geduld, höchstens noch ein zehn Jahre zu warten, bis ich zu meinen 
Vätern gehen werde, um die Wahrheit zu erfahren, die ich ihnen geschrieben in 
aller Aufrichtigkeit nach mir lassen will. Mein Bildnis; soll so wahr in der: 
selben erscheinen, als ich habe zu handeln wünschen.H Dieß war am Ende 
des Jahres 1764. Aber Winckelmann sollte die Jahre nicht erreichen, wo auch 
er vielleicht die Einkehr in sich selbst gefunden und von einem Standorte schon 
halb außerhalb des Lebens seinen Lebensweg überschaut hätte. Damals hielt er 
es für noch zu früh. Bald lief; er seinen Vorsatz fallen:  ,,von vielen Orten 
verlangt man von mir meine Lebensbeschreibung, die ich Niemande1n geben werde.U 
Er dachte nicht daran, das; er zum Glück schon ein gut Stück Leben nnd 
Selbstbekenntnif; seinen Freunden anvertraut hatte; und ein Selbstbekenntniß, 
wie er es vor dein Pnblicnn1 schwerlich so aufrichtig abgelegt hätte. 
Die Briese Winclelmanns befriedigten vorläufig die Neugierde nach Mit: 
theilungen über seine Person. Sie nahmen nach und nach das Geheimnis; 
weg, welches sein früheres dunkles und sein späteres in vieler Beziehung glanz: 
volles Leben anfänglich umgab. Diese Briefe sind die Hauptqnelle seines Lebens 
geblieben.
        

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