Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-234830
1,78 
Aste Eiu;1itorum. 
Bei dieser Art zu stndiren nun verwandelt sich das Interesse an der 
Sache nach nnd nach in das Interesse an der Literatur; die Pansophie geht 
über in die Literarhistorie, und die Literarhistorie in die Biicherkunde. Jn 
dieser hatte es Winckelmann schon früher weit gebracht; nnd auch in dem vor: 
liegenden Fall erscheint das bibliothecarische Jnteresse als das dominirende. 
Nur ans wenigen Recensionen nämlich ist ein anssührlicher Stoff ge: 
zogen; aus vielen blos; eine snnnnarische Jnhaltsangabe; in den meisten steht 
eine bibliographische Anzeige über Entstehnngsgefchichte, Schicksale, Codices und 
Ausgaben des Buchs; bei manchen endlich beschränken sich die Angaben auf 
Titel, For1nat und Bogenzahl.  
Ich habe bei dieser Reliquie so lange verweilt, weil sie uns von dem 
Character aller Collectaneen Winckelmanns ans der. vorrömischen Zeit einen 
Begriff giebt. Alle diese Collectaneen waren nidst für bestimmte Untersuchung 
gen als Vorstudien gemacht, die man später verbrennt, sondern um der aus: 
gewählten Handsehriftenbibliothek des Verfassers zugefügt zu werden, als ein 
xr5,un kZ; rief. Bei Einigen sind sogar die Züge mancher Buchstaben mit 
nachhelsender Feder ausgeführt. Spuren wiederholten Gebrauchs zeigen, daß 
ihr Inhalt für würdig gehalten wurde, in den bleibenden Besitz des Ge: 
dächtnisses überzugehen. 
Hieran aber knüpft sicp eine biographische Reflexion.  
Ich bemerkte bereits, daß der Stil, in welchem Winckelmanns Leben ent: 
worsen ist, ein Stil der Contraste war. Und dies; zeigt sich auch in seinen 
gelehrten Sitten und Gebränchen. Die Welt kennt Winckelmann als einen 
Schriftsteller, der eine Reihe abgeschlossener Werke, geschrieben mit dem Ehr: 
geiz der Originalität, einem einzigen Gegenstande weiht; einem Gegenstande 
von engen Grenzen, wenn auch von allgemein menschlicher,Bedeutung. Seine 
Kenntnisse, seine Gefühlsweise, sein Interesse sind ganz auf diesen.Gegenstand 
gesammelt. Seine Werke sind das Beispiel eines nicht bloß wohlgeordneten, 
sondern auch von einer höchsten Idee beherrschten Wissens. Selbst seine Freunde, 
die Alten, liest er in Rom nur mit einer Topik für die Kunstgeschichte nnd 
mit einem Verzeichnifse räthselhaftersBasreliefs auf dem Tisch. 
 Dagegen erscheint nun der deutsche Winckelmanu noch ganz versenkt in die 
unabsehbaren, wildverwachsenen Niedernngen der Polymathie, welche im An: 
fang des vorigen Jahrhunderts dem gelehrten Treiben der Deutschen seine 
Physiognomie gab. Wir sehen hier den Excerptor, der ohne Plan und Ziel, 
und ohne sichtbare Reaction des eigenen Denkens, mit eiserne:n Fleiß und 
 
okthodoxy in re1igion, and with an absence of any thing like phi1osophy or even 
oonnected System in etudition, it is one of the most umseac1ab1e bo0ks, re1stiveIy 
to its utility in 1emsning, which has ever fallen into my ham1S. E. IIallam, 1itets.ry 
I1istory III, P. 548.
        

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