Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-234748
Die Univetsalgeschic7te. 
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 Dieser Richtung nun folgten alle diese Compilationen der Reichsgeschichte. 
Was aber die Darstellung anbetrisft, so fiel es den Glafey keinen Schtnierax 
nennt ihn Winekel1nannJ, Köhler, Gundling auch nicht einmal ein, daß es 
eine historische Darstellung gebe: die Regierung eines jeden Kaisers war ein 
Gefach, in welchem einzelne ftaatsredftliche Probleme erörtert und für einzelne 
Ereignisse Zeugen aufgernfen und abgehört wurden: es waren nur Ketten 
von Citaten, zu welchen man den Text zu schreiben vergaß. Man schätzte, 
sagt ein Geschichtschreiber der Zeit, einen Antor nach dem Stoff, den er zu: 
sammengetragen, nach den AlIegaten, mit welchen er fein Werk ausgestattet, 
und naih den mäßigen Meinungen, die er nacherzählt hatte. Ihr Stil schwankte 
     
Später erwarb Winckel1nann in Berlin die Reichshistorie des Grafen 
Biinau für den Preis von sechzehn Thalern, der Hälfte seiner Quartalbe: 
soldung, und vertiefte sich ganz in das Detail der Reiche der germanischen 
Jnvasionen.    
In feinen Anszügen aus den gelehrten Zeitungen kann man sehen, wie 
ihn die historischen Hülfswisfenschaften, die Diplo1natik und die Genealogie, 
die Nnmis1natik und Siegelknnde beschäftigen; wie er selbst den Einzel: 
heiten der Geschichte der ReichsverfaHnng und den speciellen staatsrechtlichen 
Alterthümern einzelner Reichsftände Jnteresse zu schenken vermag. 
Diesen Zweig der Geschichtsftudien hatte Lessing im Auge, wenn er sagte, 
,,dafz unsere Geschichtschreiber nur nützliche Magazine angelegt und für unsere 
künftigen Livius nnd Tacitns Kalt gelöscht und Steine gebrochen haben.U 
,,Was kann, fährt er fort, hier, wo man mehr eine Geschichte der streitigen 
Meinungen und Erzählungen von dieser oder jener Begebenheit, als die Be; 
gebenheit selbst vortragen zu können hoffen darf, was kann hier auch die größte 
Kunst zu erzählen, zu schildern nnd zu benrtheilen, viel helfenlU 
Während die Reichshistorie bis in die vierziger Jahre auf den Univer: 
sitäten domiuirte, wurde auf den Schulen, wie die zahlreichen und oft aufge: 
legten Cotnpendien beweisen, die Universalgesehiihte fleißig eingeübt; auch 
Winckel1naun wurde durch die Schule auf sie hingeführt: wir lesen, daß 
er bei einem Examen ,,die Universalhistorie und die vier MonarehienU 
wiederholte.  
.Wie man hieraus sieht, ruhte ihre Behandlung noch ganz auf den rosti: 
gen theologischen Begriffen; in dem Handbuch von Essich z. B. sseit 17071 
bestand die alte Hälfte aus der ,,Historie des Volkes Gottes und der vier 
MpuakkhienU. Die beliebtesten Noth: und Hülfsbücher aber für die große 
Menge der Lernbegierigen waren die Frag: und Antwortbücher und die Ta: 
bellen des etwas abgeschmackten, aber sehr wohlmeinenden und nützlichen Kin:
        

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