Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Winckelmann in Deutschland
Person:
Justi, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-232633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-234278
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Reisen. 
Salze abscheuern willU, si11d nichts anderes als der generalisirte Schnaken: 
burg. VI  
Wie groß ist die Schwachheit, am erhabensten Orte der Welt und im 
Verkehr n1it den Werken der Jahrtausende noch immer des mürrischeu In: 
spectors in dem Winkel des trüben Seehausen nicht vergessen zu könnenI 
Solche psychologische Abnormitäten kann kleinstädtischer Aufenthalt einer großen 
und freien Natur anhäugenl Wie manchem ehrlichen Mann begegnet es, 
auf seinem Lebenswege Einen neben oder über sich zu haben, der ihn um 
Brod und Ehre bringen möchte; mancher schon hatte Gelegenheit, den Wider: 
sacher an einem weitgeseheuen Orte der Verachtung und dem Gelächter aus: 
zustellen; aber sollte er sich nicht vor sich selbst sä;ämen, daß er einen Augen: 
blick solchen Elenden die Ehre anthun wollte, sie als seine Feinde zu behandeln P 
Jn Folge dieses Zerwiirfnisses wurde er wahrscheinlich zum Elementar: 
Unterricht verdammt; nnd diese Misere stand später immer im Vordergrund 
des Bildes, wenn er an Seehausen znrückdachte: ,,Jch habe den Schnlmeister 
mit großer Treue gemacht, und ließ Kinder mit grindigten Köpfen das ABC 
lesen, wenn ich während dieses Zeitvertreibs sehnlich wünschte, zur Kenntniß 
des Schönen zu gelangen nnd Gleichnisse aus dem Homer betete.tlHJ Und 
weiter: ,,Jch habe Vieles gekostet; aber über die Knechtschaft in Seehausen 
ist Nichts gegangen.   Wenn ich zuweilen an den Schulstaud zuriickgedeuke, 
so wnndert mich, daß ich meinen Nacken unter dieser Last so lange habe beu: 
gen können.     Ich hole jetzt nach, was ich versäumt habe; ich hatte es 
auch von dem lieben Gott zu fordern. Meine Jugend ist gar zu kümmerlich 
gewesen, und meinen Schulstand vergesse ich nimmermehr.U 
Zu der That konnte sich damals Niemand diesem Berufe sonder Ehr und 
Einkommen widmen, der nicht, wie Flögel sagt, ,,mit einem unwiderstehlichen 
Trieb zu den schönen Wissenschaften und mit einer Lust zu hungern begabt wart, 
Das Leben, welches Winckelmann in jenen Jahren führte, war ein ebenso 
arbeitsames wie unftetes. Einsam zu Hause und überworsen mit seinen Nach: 
barn, arbeitet er Wochen lang Tag und Nacht; dann aber eilt er hinaus in 
die Nähe und Ferne; nnd er hatte, sagte man, die Gabe, ohne Geld zu reisen. 
Seine Reisen lassen sich nicht zählen; Boysen, den er jährlich zweimal besuchte, 
meint, er habe einen guten Theil jener Zeit auf Reisen zugebracht. Er 
machte sie sä1nmtlich zu Fuße; und man muß wissen, daß die Wege in der
        

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