Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-226240
Pythagoras. 
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religionsgeschichtlichen PerspektiVen noch größere Tiefe und Sicherheit zu 
geben und einzelne Fehlgriffe zu vermeiden. Dann braucht unsere Dar: 
stellung hier, wie überall, den landschaftlichen Hintergrund und Boden 
 also bei dem wechselvollen Schicksal eines Phthagoras höchst vers 
schiedenartige Anschauungen. Zwar sind wir weit entfernt, irgendwelcher 
Ortslage oder landschaftlichen Scenerie maßgebenden Einfluß zumal auf 
einen religiösen Denker zuschreiben zu wollen. Aber für uns selber ist 
solcher Anhalt nöthig, damit wir Von Station zu Station die That: 
fachen eines bewegten Lebenslaufes um so anfchaulicher in die Erinne: 
rung fassen; und wenn auf der Spur bedeutender Persönlichkeiten uns 
allmälig ein Gesammtbild der alten Welt zusammenwächst, so wird 
auch dies; kein Schaden sein.  
Des Phthagoras Vater Mnesarchos war ein begüterter Kaufmann 
auf der Jnsel Samos. Er machte Handelsreisen, wie es scheint auf 
eigenem Schiff und mit ganzer Familie, denn auf einer solchen, wähs 
rend eines Aufenthaltes zu Tyrus in Phönikien, wurde ihm Pythagoras 
als der dritte seiner Söhne geboren Cim Jahr 569 v. Chr.J. Noch als 
Kind begleitete Pythagoras seinen Vater auch nach Unteritalien. Schon 
dieß ist bedeutfam, daß Phthagoras also von Jugend aus nicht jene 
Scheu Vor Seefahrt fund Entfernungen hatte, wie unsere, nie von der 
Stelle sich rührende ,,KritikU sie bei den Alten voraussetzt  welche 
Voraussetzung allerdings eine der bleichsten Kellerpflanzen unserer Biblio: 
theken ist. Jn diesen Bibliotheken geht jeder Maßstab für die weite 
Welt verloren. Nicht, als ob man nicht Alles, was vorhanden, heut: 
zutage auch aus den Büchern lernen könnte; aber um zu unterscheiden 
was wichtig und was unwichtig, was lebensfähig und was nicht, muß 
man unbedingt selber hinaus. 
Abgesehen von solchen Reisen verbrachte Pythagoras seine Schul: 
jahre Cder Lehrer hieß HermodamasJ auf Samos. Also denken wir 
uns an die alte Ortslage auf der Südseite des Bergs  des einzigen 
Bergs, der die Jnsel Samos bildet. Dort, gegenüber der asiatischen 
Küste Cdem steilen Kap MhkaleJ steht noch der ganze Umfang der alten 
Stadtmauern aus Polykratesl Zeit, sowohl hinterwärts auf der schroffen 
Höhenkante, an welche die Stadt sich lehnte, als unten beim versan: 
deten Hafen. Am Hafen, unterhalb des Wasserfpiegels, erkennt man 
noch den Ueberrest jenes aus bedeutender Tiefe steigenden OiUTdSkdAMMs, 
der von Herodot als Wunderwerk gepriesen wird. Zu Pythagorasl 
Zeit war dieser Hafen sehr belebt; der Handel ging zumal nach Aegypten, 
wo die Samier zu den meistbegünsiigten Nationen gehörten und ihre 
eigene Niederlassung nicht nur zu Naukratis Tini Delta am westlichen 
.Hauptarm des NilI, sondern auch tief im Innern cdes Karawanens
        

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