Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-229963
Große. 
Karl der 
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öde wird. Dies; ist der ,,FimbulwinterE der Edda, welcher gleichfalls 
dem Weltende vorausgeht. Da stöbert der Schnee von allen Seiten, 
da ist der Frost groß, die Winde scharf und hat die Sonne ihre Kraft 
verloren. SVIkh9V Winter folgen drei aufeinander und ist kein Sommer 
dazwischen. Auch dort kommen die Bewohner eines lichten Reiches, 
Muspels Söhne, Surtur an ihrer Spitze, herausgeritten., um von der 
in Umwälzung begriffenen Erde Besitz zu nehmen. Augenscheinlich ist 
dieser Surtur eine Nachbildung jenes Jima CAchämenesJ, der nicht auf 
einen Kronos oder Typhon, sondern auf deren Gegensatz, den guten 
Geist, Agathodämon, zurückführt l. Aber schon die Edda weiß nicht 
mehr, ob sie ein gutes oder böses Wesen aus diesem Surtur machen 
soll, auf dessen Seite der. losgebrochene Loki kämpft. Auch wäre es 
das größte Wunder, wenn von den unter so verschiedenen Namen kin2 
nenden Sagenbächlein niemals zwei, die einer verschiedenen Quelle an: 
gehören, sich hätten vermischen sollen. Wie es scheint, hat man auch 
diesseits den gefangenen bösen Gott theilweis mit Wodan, feinem Uebers 
winder, zusammenschwinden lassen. Dafür dürfte wenigstens der Name 
Odenberg CWodans, Odinsbergs zeugen, in welchem Karl V. gefangen 
sitzt. Genug, unsere Aufgabe war, alle Elemente aufzusammeln, die 
etwa auf die diesseitige Sage vom bergentrückten Kaiser einen Einfluß 
geübt haben T. 
Wie bedeutsam im diesfeitigen Volksleben aber der Glaube an jene 
im Berg gefangenen Götter CKronos, Loki, Phol 2c.J war, zeigen die 
l Naturgeschichte der Sage I, 132 et. II, 297.  
2 Immerhin konnten wir hier nur, andeutungsweise sprechen, denn um 
eine ,,Naturgeschichte des Teufels0 zu schreiben, müßte so ziemlich der ganze 
Sagen: und Jdeenvorrath der Menschheit erschöpft werden. Aber schon unsere 
Andeutungen dürften ausreichen, um zu zeigen, daß jene Zusammenhänge etwas 
mehr als Einbildung sind und daß die Wiederkehr so zahlreich sich entsprechender 
Züge sich durchaus nicht von selbst versteht. Sobald man zugibt, daß das 
Christenthu1n morgenländische Teufelsideen ins Land gebracht, darf auch nicht 
bezweifelt werden, daß von eben dort dieselben Ideen in älterer Gestaltung schon 
lange vorher ins Land kommen konnten. Wer zur Erklärung germanischer Jdeen 
und Sagen in den germanischen Boden allein hinein spekulirt, findet gar nichts; 
wer zur Vergleichung die übrigen Völker der sogenannten indogermanischen 
Sprachenkette heranzieht loben S. 229J, findet ZweigsEnden desselben Stamm: 
ban1ns, die den diesseitigen entsprechen, an sich aber so unverständlich find wie 
diese. Verständnis ist nur zu erlangen, wenn man zurückgeht in die gemeins 
same Gabelung des indischen und des germanischen Astes, d. h.sin den ihaldtii. 
schen Stamm und durch diesen in die ägyptische Wurzel. Möchte man den 
blinden Widerspruch endlich aufgeben und lieber selber etwas zu lernen suchen, 
als Andere am Lernen hindern zu wollenl 
B r a u n, historische Landschaften.
        

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