Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-229774
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Große. 
Karl der 
ein Theil der germanischen Berthasage ist. Die alte Göttin, die ,,wilde, 
eisernes7 Bertha erscheint auch in.Frau Bertha von Nosenberg, der 
Erbauerin von Schloß Neuhaus in Böhmen, wo ihr Bild zu sehen ist 
C15. Jahrhunderts Diese, heißt es, hat ihren hartgeplagten Arbeitern, 
wenn das Schloß fertig wäre, einen ,,süßen Breit, versprochen und 
jährlich am Gründonnerstag wird zu ihrem Andenken Cgemäß ihrer 
eigenen StiftungJ ein solches Essen verabreicht. Es ist ein Fastenessen 
CKarpfeu mit Habergrütz,eJ. Unterbleibt es, dann erscheint sie mit zürs 
nendem Ausdruck I. Sie ist die ,,weiße Frautt mit Schleierhaube nnd 
Schlüsselbund, die in den Fürstenschlössern erscheint, wenn ein Todesfall 
bevorsteht  ist also doch selber wohl die todbringende Schicksalsgott: 
heit. Doch haben wir gesehen, wie die Göttinen des Schicksals sich 
namentlich auch der Neugeborenen annehmen. Darum weiß man von 
jener Bertha, daß sie Nachts in fürstlichen Kinderstuben, wenn die 
Atnmen schläfrig werden, die Kinder wiegt und trägt. Dieselbe ,,weisze 
Frautt erkannte man in der Gräfin von Orlamiinde C14. JahrhundertJ, 
die ihre beiden Kinder tödten ließ oder selber getödtet hat, weil sie in 
diesen Kindern ein Hindernis; ihrer gehossten Wiedervermälung mit einem 
Burggrafen von Nürnberg fah. Obgleich aber die Leichname beider 
Kinder im Kloster Himmelkron als Heiligthum den Pilgern gezeigt 
wurden, können wir nicht umhin, auch hier die uralte fremde Wander: 
sage zu erkennen, denn alle diese Züge vereinigen sich bereits auf der 
griechischen Jno:Leukothea. 
Leukothea Cwörtlich die weiße Göttin, die weiße Franz, zweite 
Gemalin des Athamas Cnachdem sie, wie Bertha, dessen erste verdrängtJ, 
hat nicht nur Cgleich der Gräfin von OrlamündeJ ihre eigenen Kinder 
Cden Melikertes 2c.J, angeblich im Wahnsinn, umgebracht, sondern man 
kennt sie auch cwie die Bertha von RosenbergJ als treue Pslegerin 
fremder Kinder Cdes BakchoskindesI. Zu Rom beteten bei ihrem Fest 
die Matronen für die verwaisten, einer lieblosen Dienerschaft übers 
lassenen Kinder ihrer Schwestern, während sie selber diese Kinder auf 
den Armen hielten. Eine einzige Magd wurde beigezogen, aber nur 
um für alle Mägde eine Ohrfeige zu bekommen. Bereits diese Kinder: 
1 Wenn man am letzten Tag im Jahr, meinten Manche, etwas Anderes 
esse als Klöse und Hering, dann komme Bertha, schneide den Leib ihres VI, 
ächterg auf, stille ihn mit Häckerling und nahe ihn Cstatt mit Nadel und ZwirnJ 
mit einer Eisenkette und einer Pflugschar wieder zu. In Oberbayern baut man 
am Berchtentag CDreikönigsabendJ fette Kuchen. Damit, hieß es, müsse man 
den Leib schmieren; dann werde Frau ,,BekcheIt mit dem Messer abglitsihen. 
Für Vertha selber stellte man in der Nacht der h. drei Könige Kuchen auf den 
TM, und weh dem, der die Göttin dabei belauschen wollte.
        

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