Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-229514
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Rom. 
den Gipfel von Latium  eine Kette, nicht von Alarmzeichen, sondern 
von ruhigen Opferflammen1. Andere, jetzt mit Wasser gefüllte Krater: 
tiefen desselben Gebirgs sind die runden Seeen am westlichen Hang, 
auf der Meeresseite: der See von Albano, der noch immer seinen Abg 
sluß hat durch ein uraltes Römerwerk, jenen orakelgebotenen Tunnel 
aus fast mythischer Zeit, und der lichtgrüne Nemi:See, tief eingesenkt 
in einen wunderbaren Saum von Baum: und Pflanzenwuchs. Wie 
ist es dort unten schön auf dem Userpfad, den die riesenhaften Reben 
und Lorbeerstämme überwölben. Sie strecken ihre Aeste noch weit 
übers Wasser, und eben in ihrem Schatten hat dieses Wasser jenes 
wunderklare Grün. Vormals stand über dem waldumhülIten Nemis 
See ein Dianatempel und sein sagenhaftes Alter wird verbürgt durch 
die Schauer seiner bis in späteste Zeit reichenden Kultussitten. Priester 
der Göttin nämlich konnte nur Derjenige werden, der seinen Vorgänger 
im Amt im Zweikampf erlegt, d. h. der Göttin geopfert hatte. 
Es ist Zeit, daß wir den Blick wieder hereinziehen, und zwar auf 
geradestem Weg, der alten appischen Straße, die erst neuerdings 
wieder aufgedeckt wurde. Bezeichnet war sie allerdings von jeher durch 
den nackten, oft thurmartigen Kern ihrer Grabdenkmale, der aus dem 
Campagnenrasen stößt und zu beiden Seiten der begrabenen Straße 
durch die ganze Weite der Campagna und ihre Gehege hin sich ver; 
folgen ließ. Jetzt geht man wieder auf dem alten Pflaster, das in 
römischer Weise aus großen Lavablöcken, aber nicht quadratisch, sondern 
verschiedeneckig gefügt ist und schon durch den ewigen Wechsel dieses 
schönen und iunverwüstlichen Fugennetzes das Auge zu fesseln vermag. 
Die nun offenen Grabruinen haben ihre äußere O.uader: und Marmor: 
bekleidung längst verloren; aber aus der Form des Mauerkerns ergän: 
zen wir den einstigen äußeren Anblick: hier eine Rotunde mit Statuen: 
nischen nach außen; dort ein Gemach, das mit Pilastern bezeichnet, 
vierseitig auf einem anderen steht; oder gar eine ganze Stusenthurm: 
pyramide. Wohlerhalten ist nur ein einziges, ein gewaltiger, runder 
Quaderthurm, dessen Jnschriftschild den Namen der Cäcilia MetelIa, 
der Gemalin des Crassus, zeigt. Dieser Thurm, breiter als hoch, ruht 
Lwie Hadrians GrabJ auf vierseitigem Unterbau und ist maHiv im 
Jnnern bis auf die verschüttete, cylinderförmige Grabkainmer. Er ist 
wohlerhalten, denn es war einst gefährlich ihn anzurühren, wie seine 
Krönung mit mittelalterlichen Zinnen und die an ihn anschließende 
1 Ueber die ägyptiici7en Elemente des Zeus LAmunsZeus, der wehende Urs 
geist; OürissZeus, der sterbliche Kro11ossohn und Staatgriinder in Aegypten :c.J 
und die in Babylon. hinzugekommene Bedeutung als Blitz: und Donnergott, 
VSl. oben S. 62. 65. 82. 86.
        

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