Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-229118
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Hannibal. 
waren. Wieder kam die Reiterei auf die Flügel, die karthagische rechts, 
die numidische links. Aber Hannibals böse Ahnung sollte in Erfüllung 
gehen. Schon der große Elephantenangriff, der bestimmt war, die 
Römer aus Reih7 und Glied zu bringen, miszlang vollständig. Bestürzt 
von dem entgegenschallenden Geschrei, den Trompeten und Hörnern der 
Römer, kehrten die Thiere um, überrannten den numidischen Reiter: 
flügel und Mafinissa benüHte den Augenblick, um hinter ihnen einzus 
dringen und Alles vollends über den Haufen zu werfen. Ganz ebenso 
ging es auf dem rechten Flügel, wo die karthagische Reiterei, durch 
die zurückgejagten Elephanten aus der Ordnung gebracht, von den 
römischen Geschwadern unter Lälius überfallen und geschlagen wurde. 
Wie also an der Trebia und bei Cannä das römische Heer zuerst seine 
Reiterflügel verlor, so hier das karthagische. Auch die galIischen, ligu: 
rischen Hilfsvölker, von Hannibal vorausgestellt, damit sie keinen Raum 
zur Flucht hätten und wenigstens durch ihre Wunden die römischen 
Schwerter stumpf machten, wichen bald, wurden aber von der zweiten 
Linie, den Afrikanern, nicht aufgenommen, sondern bei Seite geworfen. 
Auf der Stätte, wo die Leichen dieser Hilfsvölker bereits aufgethürmt 
lagen und das Blut in Lachen stand, trafen Hannibals afrikanische 
Veteranen mit all ihrer Kraft und Erbitterung auf die Römer. Dort 
wankten die Legionen, bis Masinissa und Lälius mit der Reiterei dem 
Feind in den Rücken brachen. Von römischer Seite gibt man Hannibal 
das Zeugniß, daß er Alles was möglich war, gethan, bevor er das 
Feld verließ, um mit wenigen Reitern nach Hadrumetum zu flüchten. 
Von dort nach Karthago geladen, der Stadt, die er seit 36 Jahren 
nicht mehr gesehen und in die Rathsversammlung eingeführt, erklärte 
er aufs entschiedenste, daß keine Hoffnung mehr sei, denn im Frieden, 
und wären die Bedingungen auch noch so hart. Sie waren hart. 
Karthago verlor seine Flotte; das Recht, ohne Roms Genehmigung Krieg 
zu führen und mußte ungeheure Summen zahlen. Aber für Alles sah 
Hannibals weittragende: Geist die Möglichkeit eines Ersatzes, wenn nur 
das Herz selber nicht stille stand, die Hauptstadt Karthago nicht zer: 
treten wurde, wie bei Fortsetzung des Krieges unvermeidlich war. Einen 
demagogischen Redner Cauch einen Giskoz, der gegen den Frieden eiferte 
und Gehör fand, riß Hannibal, eigenhändig von der Rednerbühne und 
entschuldigte sich, da der Volkszorn sich gegen ihn selber zu wenden 
drohte, mit seiner Unerfahrenheit in den Bräuchen einer gesetzgebenden 
Versammlung. Genug, er setzte die Annahme der römischen Bedingungen 
durch. 
So war denn Hannibal wieder in Karthago, und konnte sich jeht 
erst umsehen in der Stadt, für die er schon so viel gethan und gelitten.
        

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