Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-227453
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Jerusalem. 
sich in die Nordwestecke der Tempelplatte ein, und war durch hinab: 
führende Stufen mit den an sie anschließenden Hallen der Nord: und der 
Westseite verbunden. Diese Stufen wurde der vom aufgeregten Volk 
bedrängte Paulus durch die römischen Soldaten.hinausgetragen und 
erwarb sich vom römischen Befehlshaber die Erlaubniß, von diesen 
Stufen aus zu dem Volk im Tempelhof reden zu dürfen. Sie wurden 
abgebrochen als beim letzten Kampf um die Tempelterrasse das Vor: 
dringen der Römer von der Burg herab drohte. 
Diese Tempelplatte mit ihren grünen Bäumen hat schon ungeheuer 
viel Blut getrunken, vielleicht mehr als irgend eine Stelle in der Welt. 
Wir wollen alle früheren Belagerungen lassen und nur der Schreckens: 
tage unter Titus gedenken. Schon eine gute Weile vorher war das 
ganze Volk, zum Theil durch die Schuld niederträchtiger Prokuratoren, 
in völliger Auflösung, .Mord und Gewaltthat an allen Enden. Jn 
einem Ausstand zu Jerusalem selbst wurde der Palast des Agrippa am 
Xystosplatz und die Antonia angezündet und die römische Besatzung, 
der man freien Abzug versprochen, meineidig niedergemacht. Die Ant: 
wort war ein ungeheurer .Judenmord durch alle städtischen Bevölkerungen 
von Damaskus bis Alexandrien. Der Römer Cestius drang mit einein 
großen Heer in Jerusalem ein, nahm und verbrannte die Neustadt und 
lagerte gegenüber dem Herodespalast, also in der Gegend von Golgotha, 
und zwar ohne die zweite Mauer genommen zu, haben. Das ist ein 
Beweis, daß diese zweite Mauer nicht die jetzige Nordmauer ist, son: 
dern einen Bogen östlich von GoIgotha und der jetzigen Grabeskirche 
beschrieb, und daß die Stelle der Grabeskirche allerdings außerhalb 
dieser zweiten Mauer und somit zur Zeit von Christi Tod noch außer: 
halb der Stadt lag. Wir wissen, daß die von Cestius verbrannte 
Neustadt, also sammt der Stätte der Grabeskirche, erst einige Jahre 
nach Christi Tod mit dem Unterbau der dritten Mauer, der jeHigen 
Nordmauer, umschrieben und zur Stadt genommen wurde. 
Cestius zog wieder ab und erlitt eine Niederlage auf dem Rückzug. 
Es brauchte größere Mittel. Vespasian, dem sein Sohn Titus Truppen 
aus Aegypten zuführte, mußte erst ganz Palästina erobern. Aus dem 
See Tiberias, zu Christi Zeit im Besitz eines friedlichen Fischervolkes, 
gab es Seeschlachten. Die jüdischen Barken fliichteten den Jordan herab 
ins todte Meer, wurden auch dorthin von den Römern verfolgt und 
ihre Bemannung tausendweis ermordet. Die JDVDM1MüUdUng war so 
voll von Leichen, daß die Römerbarken stecken blieben. Jnzwischen war 
Jerusalem in Händen von Näuberbanden, Welche Nicht nur die Bevöl2 
kerung, sondern sich selber untereinander schlachteten. .Vespasian wurde 
Imperator und ging nach Rom; Titus rückte vor die Stadt, deren
        

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