Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Landschaften
Person:
Braun, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-226816
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P9khagoras. 
der eigentlich selber nur ein alter Unterweltgott war. Nur davon hat 
er seinen Namen Orpheus CEreph, Erebos, phönikisch die Unterwelt; 
vgl. Morpheus, Dionysos Eriphios  nur davon seine Bedeutung als 
Kultusstifter des Dionysos, denn der kosinische Unterweltgott der 
Aeghpter CPhtah, Paamyles, Pan 2c.J ist es, in dessen Tempel der 
sagengeschichtliche Dionhsos geflüchtet wurde und der selber nun als 
Retter, Erzieher des Götterkindes und als Verbreiter von dessen Kultus 
galt 1. Aber mit dem kosmischen Unterweltgott ist im Volksglauben der 
sagengeschichtliche Eins geworden  jener sterbliche und zerrissene Osiris: 
Dionysos selbst, der nach seinem Tod das Richteramt in der Unter: 
welt erhalten. Darum findet sich dieses menschliche, sterbliche Element 
Lwie im griechischen HadesJ so auch in Orpheus wieder. Auch Orpheus 
wurde zerrissen, wie Dionysos; sein Kopf schwamm nach der Jnsel Lessi 
bos, wie der des Dionhsos 2c. Zu Libethra hatte man die Gebeine 
des Orpheus Cwie die des Dionysos im Tempel zu Delphi und zu 
ThebenJ, gemäß jener Gewohnheit, auch die Göttergräber zum Bedarf 
der eigenen Andacht von Ort zu Ort weiter zu tragen. Die Gebeine 
des Orpheus lagen in einer Urne, die auf einer Säule stand. ,,Wenn 
die Sonne diese Gebeine sehe,tt d. h. wenn man diese Gebeine Vernach: 
lässigeJ, war prophezeit, ,,werde Libethra untergehen.U Aehnliche Pro: 
phezeiung hing noch an manchen Heroengräbern, deren Jnhaber Eies 
mente ans derselben Urgestalt aufbewahrt haben Cz. B. an den Gräbern 
des Amphion, Oedipus, Theseus, Orestes 2c.2J. Als die Graburne des 
Orpheus in der That aus Unachtsamkeit umgestoszen wurde und zer: 
brach, schwoll in der nächsten Nacht der Sysfluß, der vom Olymp 
herabstürzt Liegt wahrscheinlich der aus vier Schluchten hervorbrechende 
ZilianabachJ und vernichtete Libethra.  
Wir haben keinen Grund zu zweifeln, daß PVthAgVMs Wie das 
übrige hellenische AlterthumJ in Orpheus wirklich einen Propheten der 
1 Der kosmisc;e Uutekwe1tgotx cGema1 der Göttin UncerweI0 ist eigentlich 
der Gott des weltbildenden Urseuers CHephäsios; und innenweltliche Intelligenz 
CPhanes., oben S. 67J. Bei dieser holt man Orakel Cvgl. Oben, S. 31J, und 
eben die Erinnerung an den Orakelgesang ist es, woher so viele mythische 
Herden ssämmtlich alte UntetweltgötterJ ihre Seherkrast oder musikalische Fähigkeit 
haben. Wir meinen Figuren wie Amphion, MUfäO5s Lk11Dss Amphiaraos, 
Trophonios 2c.,  alles Figuren, die mit Orpheus in eine und dieselbe Wurzel 
zurückführen Cvgl. den Nachweis in unserer ,,NaturgOsEh. der Sage I, 3792c.J. 
Nur durch ihren Orakelgesaug sind auch die Musen, diese einfügen Gottheiten 
des Schicksals und der Unterwelt, zu Patroninen der Dichtung geworden, a. O. 
II, 168 2c.s. 
T Naturgesetz. der Sage, unter diesen Namens
        

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