Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der moderne Vasari
Person:
Schadow, Wilhelm von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-222911
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-223322
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,,Die Frage, warmn dies so sei,U 
Neuem, ,,ist schon mehreren Denkern in 
begann der Alte von 
den Sinn gekommen; 
sie wird auf zweifache Weise beantwortet und nach meiner 
Ansicht hat jede dieser Antworten ihr Recht. 
,,AlsvEngland im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts 
mit Italien in nähere Verbindung kam, hätte es, wie die 
übrigen Staaten Europas von dort her den Antrieb zur Crit: 
wieklung der schönen Künste empfangen können. Diese natur: 
gemäße Befruchtung wurde jedoch durch den Sieg der ealvi: 
nistischen Lehre, welche die bildenden Künste aus der Kirche 
verbannte, gänzlich gestört. Eine jede große Kuustepoche aber, 
sowohl in der antiken, als in der modernen Welt, beginnt 
mit dem Schmucke ihrer Tempel und es ist, als ob man nur 
auf diesem Grunde ein Kunstgebäude erbauen könne, welches 
sich in seinen höchsten Stockwerken auf die mannigfaltigste und 
reichste Weise ohne Gefahr zu entwickeln vermag. Am aus 
schaulichsten wird diese Behauptung in den Niederlanden. Dort 
lebte eine große kirchliche Kunst, als der Calvinismus die Be: 
völkerung treunte; diejenigen Provinzen, welche ihm huldigten, 
verbanuten folgerecht die Künste aus den Mauern ihrer Gottes: 
häuser und der Trieb zum Bilden sank herab zur Behandlung 
von Gegenständen aus dem wirklichen Leben, meistens von 
der trivialsten Art. So entstand eine bisher noch nie gesehene 
Gattung, nämlich die holläudische Kleinmalerei. Diese hat 
zwar auch klassische Werke geliefert, doch wäre es abgeschmackt, 
diese Kunstsphäre mit ihrer idealen Mutter aus gleiche Höhe 
zu stellen. Rembrandt und seine Schüler aber, wenn sie gleich 
religiöse Gegenstände keineswegs aus ideale Weise behaudelten, 
würden doch mit Unrecht als trivial bezeichnet werden. Im 
Gegentheil zeigt sich namentlich bei diesem großen Meister 
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