Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der moderne Vasari
Person:
Schadow, Wilhelm von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-222911
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225230
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eipirten Gegenstand tiefer empfinden und mit größerer Aus: 
dauer bestrebt sein, ihn zur Anschauung zu bringen, als der 
Bildhauer Rudolph SchadowT Er ward geboren zu Rom, wo 
sich sein Vater, G. Schadow, der nachherige Direktor der Berg 
liner Kunstakademie, seiner kiinstlerischen Ausbildung halber 
aushielt. Nachdem er später in Berlin in der väterlichen 
Werkstatt die Kunst erlernt hatte, arbeitete er, mit einem ern: 
sten Naturell begabt, zwar treu nnd fleißig in seinem Berufe, 
jedoch war das Treiben der Kunst damals keineswegs von der 
Art, daß die Umgebnngen und Verhältnisse einer so großen 
Stadt nicht dem Studirenden manches ihn von seiner Bahn 
Ablenkeude und den Sinn Zerstreuende dargeboten hätten. So 
war es auch insbesondere die Musik, die ihn mit 1nächtigem 
Reize anzog, und sein Geist war in früher Jugend eigentlich 
zwischen diesen beiden Künsten getheilt.  Erst als er sich im 
Jahre 1810 nach Rom begab, erkannte er die ungeheure Schwie: 
rigkeit seines Berusess und verfiel darüber nach einem Jahre 
in eine tiefe Melancholie, welche ihn glauben ließ, er sei eigent: 
lich nicht zum Bildhauer bestimmt, nnd habe auch früher weit 
mehr in dieser Kunst geleistet als jetzt. Dies wurde bei ihm zur 
fixen Jdee, und weder Thorwaldsen noch seine übrigen Freunde 
konnten ihn von dieser Ueberzeugung abbringen. In Folge 
dessen wollte er in sein Vaterland zurückkehren, und da er in 
den alten Sprachen und in der Musik erfahren war,i dachte 
er etwa eine Hosmeisterstelle in einer vornehmen Familie zu 
übernehmen. 
,,Es ist eine leicht zu erklärende Selbsttäusdhnng, wenn 
tiefere Künstlernaturen, durch den Anblick der Wunderwerke der 
Kunst in Rom, welche ihre Einsicht so plötzliih erweitern, den 
Glauben gewinnen, sie hätten früher weit Besseres gemacht
        

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