Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der moderne Vasari
Person:
Schadow, Wilhelm von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-222911
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-225166
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Andererseits verfolgte auch die Hofräthin, als ihre Tochter 
mit den kleinen Kindern der Präsidentin spielte, ihre beson: 
deren Zweike. Sie sprach von der Liebenswiirdigkeit und dem 
Talente 
Dolphs 
und 
als 
die 
Präsidentin 
feurig 
darauf 
ein: 
ging, deutete sie auf dessen Neigung zu Henriette. Die Prä: 
fidentin, welche wie alle Frauen Heirathsprojekte zu machen 
liebte, er1nuthigte die Hofräthin, von den Bewerbuugeu des 
mißliebigen Assessors zu sprechen und versprach schließlich, Dolph 
der Protektion ihres Ge1nahles zu sempfehlen.  ,,Lassen Sie 
mich machcn,U sagte sie der beglückten .Hofräthin beim Scheiben, 
,,dicse ernste Sache muß durch die fröhliche Sache ins Reine 
gebracht 
werd en. 
Ihr 
Mann 
muß 
u1ngestimn1t 
und 
Dolph 
geholfen 
werden.U 
Die 
kluge 
Frau 
bewirkte 
auch 
sogleich 
die 
Einladung 
des 
Hofrathes 
zum 
nächsten 
Herreudincr, 
wodurch 
der 
Eitelkeit 
des 
Subaltern 
nicht 
wenig 
geschmeichelt 
wurde. 
Zugleich veranlaßte sie, da ihr und der Hofräthin viel an der 
Entfernung des gefürchteten Nebenbuhlers lag, ihren Gemahl den 
Asfessor W. nunmehr zu fragen, ob er nicht vorläufig die Vertrei 
tung einer erledigte11 Landrathstelle an der holländischen Grenze 
übernehmen wolle.  Letzterer war zwar Damen gegenüber 
etwas. steif und langweilig, aber keineswegs dumm, denn er 
erkannte sogleich, daß 1nan den Unbequemen wegsenden wollte 
und lehnte unter dem Vorwande augenblicklicher Kräuklichkeit 
den ehrenvollen Auftrag ab. Dolph wurde sehr bald durch 
die Frauen von Allem in Kenntniß gesetzt, was sein ohnehin 
leicht erregbares Naturell in neue Aufregung versetzte. Hiezu 
kamen nun noch alle die Vorbereitungen, Konfcrenzen, Proben 
zu dem bevorstehenden Feste, die ihm als Dirigenten des Ganzen 
oblagen. Alles dieses wirkte so nachtheilig auf seinen Gesund: 
heitszustand, daß er am Abeude eines sehr angestrengteu Tages
        

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