Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thomas Babington Macaulay's Geschichte von England seit dem Regierungsantritte Jacob des Zweiten
Person:
Macaulay, Thomas Babington Lemcke, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-213856
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-216649
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England, 
GOfCbkcbte von 
verschaffen wünschte, erinnerte er sich nicht nur der Stimmengeber, sondern 
auch ihrer Familien. Seine Gegner waren bestürzt über die Stärke seis 
nes Gedächtnisses und die Freundlichkeit seines Benehmens und gestanden, 
dass es unmöglich sei, gegen einen vornehmen Mann anzukcimpsen, der den 
Schuhmacher.bei seinem Vornamen nannte, der überzeugt war, dass die 
Tochter des Fleischers ein sehr hübsches Mädchen werden müsse, und der 
sich angelegentlichst erkundigte, ob der jüngste Knabe des Schmids schon 
Hosen trüge. Durth solche und ähnliche Künste machte er sich so popuiär, 
dass seine Reisen zu den VierteljahrssiHungen in Buckinghamshire königs 
lichen Lusireisen glichen. Jn jedem.Kirchspiel, durch welches er kam, wurde 
mit den Glocken geläutet und Blumen wurden auf den Weg gestreut. Die 
gemeine Annahme war, er habe im Laufe seines Lebens nicht weniger als 
80,000 Pfund auf seinen parlamentarischen Einfluss verwandt, eineSun1me, 
die, mit dem Werthe der Vermögen verglichen, als mehr denn 300,000 
Pfund zu unserer Zeit gleichkommend angesehen werden muss. 
Der Hauptdienst aber, welchen Wharton der Whigpartei leistete, war 
der, dass er ihr Neuangeworbene aus der jungen Arisiokratie zuführte. Er 
war ein eben so gewandter Werber unter den gesticten Stöcken im Kaffees 
hause von St. James, wie unter den Lederschürzen zu Whcombe undAylesi 
bury. Er warf sein Auge auf jeden jungen Mann von Stande, der 
mündig wurde, und es war für einen solchen jungen Mann nicht leicht, den 
Künsten eines vornehmen, beredten und reichen Schmeichlers zu widerstehen, 
der jugendlishe Lebhaftigkeit mit tiefer Kunst und langer Erfahrung in der 
Welt des Genusses rereinigte. Gleichviel was der Neuling vorzog, Ga: 
lanterie oder Feidbelnstigungen, den Würfelbecher oder die Flaschez Whars 
ton fand bald die herrschende Leidenschaft heraus, bot seine Theilnahme, 
feinen Rath, seinen Beistand an und bemächtigte sich der politisth,en Ges 
sinnung seines Schülers, während er nur der Diener von dessen Bergnüs 
gungen zu sein schien. 
Die Partei, deren Interessen Wharton mit solchem Genie und solcher 
Ausdauer feine Zeit, sein Vermögen, seine Talente, ja selbst seine Laster 
widmete, beurtheilte ihn, wie auch natürlich war, viel zu gelinde. Er war 
weit bekannt unter dem sehr unverdienten Namen: der ehrliche Tom. Einige 
fromme Männer, Vurnet zum Beispiel und Addison, wendeten ihre Augen 
ab von dem Aergerniss, welches er gab, und sprachen von ihm, zwar nicht 
mit Achtung, aber doch mit Wohlwollen. Ein höchst genialer und hochs 
gebildeter Whig, der dritte Gras Von Shaftesburh, der Verfasser der ,,Chas 
rakteristikeniI, schilderte Wharton als den geheimnissvol1sten aller Sterblis 
then, als ein seltsames. Gemisch der besten und der schlimmsten Eigenschafs 
ten, der Sittenlosigkeit iim Privatlehen und der öffentlichen Tugend, und 
gestand, dass er nicht zu begreifen vermöge, wie ein in allen anderen Ding 
gen durchaus gesinnungsloser Mann in der Politik so treu wie Stahl 
sein könnte. Aber das, was in den Augen der einen Partei alle Fehler 
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XX. 
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