Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thomas Babington Macaulay's Geschichte von England seit dem Regierungsantritte Jacob des Zweiten
Person:
Macaulay, Thomas Babington Lemcke, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-195542
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-196200
vor der Restam:ation. 
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bensbekenntnisfe, Bitt, und Dankgebete in Indien und Litthauen, in Je: CApktel 
land und Pera abgesungen. Der Gottesdienst ist, da er in einer todten  
Sprache abgehalten wird, nur den Gelehrten verständlich, nnd von der 
großen Mehrzahl der Versammlung kann man sagen, dass sie ihm mehr 
als Zuschauer, denn als Znhörer beiwohnen. Auch in dieser Beziehung 
schlug die englische Kirche einen Mittelweg ein. Sie nahm die römischi 
katholischen Gebetsformeln zum Muster, übersetzte sie aber in die Landes: 
sprache und forderte die nicht gelehrte Menge auf, in den Gesang des 
Geistlichen einzustimmen. 
In jedem Theile ihres Systems lässt sich dieselbe Politik verfolgen. 
Während sie die Transsubstantiationslehre gänzlich verwarf und jede Anbes 
tung des Brotes und Weines beim Abendmahl als Götzendienerei vers 
damn1te, wollte sie doch, zum Missfallen der Puritaner, dass ihre Kin: 
der das Andenken der göttlichen Liebe demüthig auf den Knien liegend 
empfangen sollten. Während sie viele reiche Bekleidungen, welche die Als 
täre des alten Glaubens umgaben, beseitigte, behielt sie, zum Abscheu 
schwacher Geister, ein weißleinenes Gewand bei, als Typus der Reinheit, 
.welche ihr als ncystischer Braut Christi zukam. Während Ae eine Menge 
pantomimischer Geberden, die beim römischskatholischen Gottesdienste die 
Stelle verständlicher Worte vertraten, außer Gebrauch setzte, gab sie doch 
vielen strengen Protestanten dadurch Anstoß, dass sie über das eben aus 
dem Taufbekken besprengte Kind das Zeichen des Kreuzes machte. Die rös 
mischen Katholiken richteten ihre Gebete an eine Menge von Heiligen, uns 
ter denen sich viele Männer von zweifelhaftem, einige von hassenswerthem 
Charakter befanden. Die Puritaner versagten das Prädicat heilig sogar 
dem Apostel der Heiden und dem Schüler, den Jesus liebte. Die englische 
Kirche, obgleich sie die Vermittlung keines geschaffenen Wesens nachsuchte, 
feste doch Tage zur Erinnerung an diejenigen fest, welche viel für den 
Glauben gethan und gelitten hatten. Sie behielt Confirniation und Ordis 
nation als erl1auliche Gebrauche bei; aber sie entfernte sie aus der Reihe 
der Sakramente. Die Ohrenbeichte gehörte nicht i1Pihr System, aber sie 
forderte den sterbenden Sünder auf, seine Sünden einem Geistlichen zu 
bekennen, und bevollmächtigte ihre Diener, die scheidende Seele durch eine 
Abfolution zu erleichtern, die den ganzen Geist des alten Glaubens aths 
met. Im Allgemeinen kann man sagen, dass sie sich mehr an den Verstand 
und weniger an die Sinne und die Einbildungskraft wendet, als die rds 
mische Kirche, und weniger an den Verstand aber mehr an die Sinne und 
die Einbildungskrast, als die protestantischen Kirchen von Schottland, Franks 
reich und der Schweiz. 
Durch nichts unterschied sich aber die englische Kirche. so sehr von This Fa. 
anderen, wie durch ihr Verhältniss zur Monarchie. Der König war ihr FEk;:,F W 
Haupt. Die Grenzen der Gewalt, welche er als solches besaß, waren 
nicht genau. gezogen nnd sind nie genau gezogen worden. Die Gesetze,
        

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