Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-190645
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-194853
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Zshntcs Buch. 
Ashtes 
Capiicl. 
Geist sucht vielmehr den Boden der schon vor Zeiten gegrüng 
deten Wissenschaft nun auch seinerseits vollständig zu gewinnen 
und an der Arbeit der Jahrhunderte thätigen Antheil zu nehmen. 
Wenn es eben daher rührt daß Latein die ausschließende 
Sprache der WiHenschaft blieb, so ward doch auch die aus die 
Muttersprache angewiesene Bevölkerung von der Theilnahme an 
der Bewegung nicht ausgeschlossen. 
 Schon die theologischen Flugschriften, die Predigten, die 
immer schweren Fragen in Anregung brachten, nahmen die 
Aufmerksamkeit der Ungelehrken in Anspruch. 
Ein großer Theil der alten Literatur ward ihnen in deutschen 
Uebersetzungen zugänglich gemacht: es ist bezeichnend was man 
übersetzte, was man bei Seite ließ. Man nahm z. B. dieAeneide, 
die Metamorphosen, nicht Horaz, noch Catnll: es war hasupt: 
sächlich der Stoff, den man sich anzueignen suchte. Man be: 
schästigte sich viel mit Terenz, seines lehrreichen Jnhalts wegen, 
der gleich auf dem Titel gerühmt ward; wenig mit Plautus; 
man übersehte nicht die Reden Ciceros, sondern seine populären 
philosophischen Schriften. Am sorgsiiltigsten sind vielleicht dies 
jenigen Werke bearbeitet, die zu unmittelbarem Gebrauch bestimmt 
waren. Vitruvius erscheint ,,als ein Schlüssel aller mathemas 
tischen und mechanischen Künste die zur Architectur gehören, aus 
rechtem Grund und sattem Fundament, so daß jeder Kunstbegie: 
rige einen rechten Verstand fassen mögst: einer der schönsten 
Drucke jener Zeit mit trefflichen Holzschnitten, unter denen auch 
das Vildniß Albrecht Diirers prangt II. 
Fehlt es auch nicht durchaus an freier Production, so ist 
es doch noch mehr Aneignung, Popularisirung schon vorhandener 
fremder Stoffe, was auch der deutschen Literatur jener Zeit 
ihren Character giebt. 
So recht eigen ist dieß das Element, in welchem sich die 
umfangreichen Werke des ,,sinns und kunstreichen, wohlerfahrnent 
Meister Hans Sachs bewegen. 
Einen großen Theil der heiligen Bücher, alten nnd neuen 
U Vergl. Degen, 
Römer p. 300. 
Nachtrag 
zu der Literatur 
Uebersesungcn der 
der
        

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