Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-190645
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-193689
zu 
Verhältniß 
Frankreich. 
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der deutschen Linie des Hauses Oestreich gegen den Kaiser zu 
bedienen dachte1J. 
Wie sehr aber waren die Verhältnisse in Deutschland seit 
jenem ersten Bunde verändert. Jetzt wandte sich der allgemeine 
WiderwilIe bereits gegen Heinrich lI selbst, der drei Städte des 
Reiches in Besitz behalten hatte und unter der Hand immer weiter 
um sich greifen zu wollen schien. Die Leute mit denen er in 
Verbindung trat, waren bereits geschlagen und auf das Aeußersie 
gebracht, sie bedurften eher Hülfe als daß sie deren hätten 
leisten können. 
Und schon war Herzog Heinrich allen ihren Werbungen 
zuvor gekommen. Georg von Holle und Willmar von Münch: 
hausen brachten ihm hauptsächlich mit fränkischem Geld zwei 
große Regimenter zu Fuß, Hilmar von Quernheim und Libo: 
rius von Münchhausen 1200 Pferde auf; einige Reitergeschwader 
schlossen sich ihm persönlich an; eine Anzahl Landsknechte hatten 
sich den Winter über im Verdenschen unterhalten. Mit dem 
Frühjahr suchte er alle diejenigen heim, die er für Anhänger 
des Markgrafen oder gar des Königs von Frankreich hielt:idie 
Herzoge von Lauenburg und Lüneburg, welche der Verbindung 
mit Albrecht entsagen, Städte wie Hamburg und Lübeck, welche 
nicht unbedeutende Summen zum Abtrag alter Feindseligkeiten 
zahlen mußten, Herzog Johann Albrecht von Meklenburg, im 
Bunde mit dem Bruder desselben, Johann Ulrich, der sich An, 
theil an der Landesregierung erkämpfen wollte. Vergebens bot 
Johann Albrecht seine Ritterschaft auf: Niemand wollte seine 
Pferde gegen einen Feind satteln, mit dem einer ihrer Landes: 
fürsten verbündet war2J. Dabei behielt Herzog Heinrich noch 
Leute genug, um auch nach andern Seiten hin Musterplätze zu 
zerstören, z. B. einen in Tangermilnde, albrechtische Reiter 
nirgends aufkommen zu lassen. 
Merkwürdiger Anblick, wie der alte Parteigänger sich jetzt 
1J InstrI1ction an .comte da Roquenc1olf, pour ofkkir secouts 
an Ray de Boheme, contre 17Empereur. Ribier 1l, 507.  
2J Chyträus 529. Rudloff IIl, I, 140.
        

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