Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-190645
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-192528
Landgrafcn Philipp 
Gefangc11sch11ft des 
153 
Wunsch wieder frei zu werden und Einreden seiner Umgebung 
ihn zu einer undienlichen Nachgiebigkeit vermocht haben, z. V. 
in Sachen des Jnterim: er hat sogar der Wehe einmal bei, 
gewohnt; aber diese Anwandlungen gingen bald wieder vorüber: 
in seinem Gefängniß hörte man ihn doch mit heller Stimme 
geijiliche Lieder singen. Er ließ sich Schriften der Kirchenväter 
geben: besonders las er Augustinus gern; es machte ihm Vers 
gnügen, wenn ihn gelehrte Katholiken besuchten und mit ihm 
die Controversen beider Theile, etwa über die Lehre von der 
Rechtfertigung oder das Papstthum oder die Anrusung der 
Heiligen, dnrchsprachen. Aus der Ferne ermahnt er dann seinen 
ältesten Sohn, bei dem Evangelium zu verharren, es koste gleich 
Leib oder Gut, die flüchtigen Prädica11te1t zu unterstüHen. Auch 
andre gute Ermahnnngen fügt er hinzu: z. B. er möge sich 
vor einem unreinen Leben hüten, Jedermann Gleich und Recht 
angedeihen lassen1J. In seinem Gefängniß gedenkt er des Zu: 
standes der armen Gefangenen in seinem Lande und bringt die 
Verbesserung desselben in Anregung. Er vergißt des Thieres 
nicht das ihn in glücklichern Tagen getragen hat, das er jetzt 
bis zum Tode zu füttern befiehlt, noch des treuen Hundes, den 
er seinem Sohne, denn er könne ihm wohl noch eine Ente 
fangen, zuschickt: ,,laß aber wohl aufsehen,ti sagt er, ,,daß ihn 
die großen nicht todt beißen, laß ihn in deiner Kammer schlag 
fen.Ii Seine Seele lebt in der Heimath; sie nährt sich in diesen 
Erinnerungen und Sorgsa1nkeiten geringsügiger Art; nach so 
viel stürmischer Thatkrast im Glück entwickelt sie Milde und 
Treue im Unglück. Von dorther entsprach man ihm mit gleichem 
Verlangen. Alles was wir von seiner Gemahlin hören, zeigt 
eine grundehrliche, durch nichts erschütterte Hingebung. Aber 
weder die Erfüllung der Capitulation, noch jene religiösen Aug 
t1äherungen, noch die Anwesenheit des Prin;en von Spanien, 
der doch seine Verwendung versprochen hatte, vermochten seine 
Fesseln zu lösen. Man hat dem Kaiser angeboten, das Land 
fürs Erste zu theilen, so daß Philipp, im Besitz nur der einen 
Hälfte, während die andre ansseinen Sohn fallen möge, gewiß 
seinen Bricfcn bei Rommc1 II, 530s 
Alls 
II Au.szügc
        

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