Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-190645
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-191890
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Neunies Buch. 
Diiitks 
Capitel. 
kirche zu Augsburg. Er bestieg eine Kanzel die eigens für ihn 
aufgerichtet und mit rothem Sammet überzogen war, um zu 
erklären, daß in dem Jnterim nichts Schädliches noch Bei 
schwerliches enthalten sei II.  
Die Jndulte, welche der Papst gewährt, gingen manchem 
Eiserer fast schon zu weit, und der Kaiser mußte durch eine be: 
sondcre Declaration ihre Anwendung auf die Länder und Städte 
beschränken, in welchen die neue Lehre Platz gegriffen. Für 
diese aber waren sie nicht allein erwünscht, sondern unentbehrlich. 
Die Anerkennung der Hierarchie auch in den protestantischen 
Ländern war nur unter dieser Bedingung denkbar. 
Und auch in Hinsicht des Conciliums gab der Papst dem 
Hasse des Kaisers gegen die Versammlung zu Bologna so weit 
nach, daß er sie im September 1549 auflöste. Jbm selbst Hei 
sie bereits zur Last, da sie unter den Umständen der Zeit doch 
nichts ausrichten konnte. 
Höchlich erfreut war der Kaiser, als der Papst hierauf die 
Absicht kund gab, in einer andern Versammlung, zu Rom, die 
Reformation ernstlich vor die Hand zu nehmen. Er machte 
nur noch die Bedingung, daß kein Beschluß derselben den An: 
ordnungen seines Jnterim oder der von ihm den geistlichen 
Ständeu vorgeschriebenen Resormation widersprechen dürfe. 
Ehe es aber so weit kam, starb Paul lil;,und eine Wahl 
trat ein, welche dem Kaiser sogar die Möglichkeit eröffnete, feine 
geistlichen Absichten noch in aller Form zu erreichen. 
Die kaiserliche Partei war es  unter Vermittelung des 
Herzogs von Florenz  durch welche der neue Papst Julius lll 
auf den römischen Stuhl gelangte.  
Jn seinem ersten Schreiben erkannte Julius dieß an: nächst 
Gott keinem Andern als dem Kaiser schrieb er seine Erhebung 
1J Aus einem Schreiben des Card. Otto, Dillingen Z August 1549 
CWinter l1, P. l5lJ, ergiebt sich, daß seine Jndulte nicht allein den Ge: 
naß beider Gestalt, sondern auch die Prießekehc umfaßten. Welche 
Schwierigkeiten dieß gemacht, indem dadurch der Unterschied zwischen 
Priestern und Laien aufgehoben zu werden geschienen, sehen wir ans dem 
judicium varjoru1n praesuIum, Rainaldus 15sl8, ne 66s72. Ich be: 
merke, daß sich trog; aller Gelehrsamkeit diese Herren doch auf die unter: 
geschehenen Canones apostolicsi beziehen Cur 68J.
        

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