Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-186011
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-190526
416 
Buch. 
Achtes 
Capitel. 
F13ktftes 
wohl aber der König : am 7ten Juli zog der Marquis von Mag 
rignano mit 8 Fähnlein Landsknechte auf der Kleinseite ein. 
Hierauf drang auch in Prag die Stimme der Unterwersung 
durch. An demselben siebenten beschloß die Stadt sich auf Gnade und 
Ungnade zu ergeben, wie es so viele deutsche Städte, so viele mächtige 
Fürsten und noch zerlegt der Landgraf von Hessen gethan habe. 
Jetzt erlebte nun auch Ferdinand einen jener Akte der De: 
müthigung, wie sie seinem Bruder so häutig zu Theil geworden. 
Am 8ten Juli hielt Ferdinand auf dem großen Saale dess 
Hradschiu feierliche SiHung: zur Rechten saß ihm sein Sohn Fers 
dinand, zur Linken Herzog August von Sachsen; eine große An; 
zahl geißliche und weltliche Herrn waren zugegen. 
Vor dieser Versammlung erschienen die Primaten, Bürgers 
meisier, Räthe, geschwornen Aeltefcen der drei Städte, und ein 
Ausschuß aus ihren Gemeinen, 100 aus der Altsiadt, 100 aus 
der Neustadt und 40 von der Kleinseite.  
Der König ließ,ihnen in böhmischer Sprache verlesen, was 
sie während des legten Krieges gegen ihn verbrochen; zu besonderm 
Vorwurf machte er ihnen ihr jüngstes Schreiben: darüber wolle 
er sich ,,mit rechtlichem Erkenntniß gebührlich und rechtlichU vers 
halten, und zunächst hören wie sie sich verantworten würden. 
Hierauf fielen sämmtliche Erschienene wie Ein Mann aufsdie 
Knie, und erklärten, sie sein nicht gekommen, mit ihrem König 
und einigem.Herrn zu rechten: sondern sich in seine Gnade und 
Ungnade zus ergeben. Sie baten die umsis;enden Fürsten und Herrn 
ihre Fürbitte einzulegen, damit ihnen Verzeihung zu Theil werde. 
Erzherzog Ferdinand undUHerzog August erhoben sich einer 
nach dem andern von ihren Sigm und baten den König um die 
Annahme dieser Unterwerfung; desgleichen auf einmal sich erhebend 
die sämmtlichen übrigen umsiHenden HerrnIJ. 
Hieraus ließ der König die Erschienenen in. zwei nahe Ges 
wölbe abtreten und mit bewaffneter Hand bewachen; nachdem er 
sich dann vor allem durch seine Boten erst in der Stadt erkundigen 
lassen, ob die Bürgerschaft auch wirklich gesinnt sei wie ihre Obern 
und Vertreter, eröffnete er, unter welchen Bedingungen er Vers 
zeihung gewähren wolle.  
.s U Sä;rtibcu der Ulmer Gesandten l9 Juli.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.