Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation
Person:
Ranke, Leopold von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-186011
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-188787
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Siebet1tes Buch. 
Capitcl. 
Lichtes 
der sein Unglück ihm selber Schuld gab. Aber auch den Pros 
teftanten erklärte Carl, es würde feiner Hoheit schlecht anstehn, 
die Versagung eines Reichsfürfteu aus seinen Leben zu dulden. 
Sie willigten ein, das Land ihm selbst, dem Kaiser, zur Ses 
quefiration zu überlassen; sie machten nur .die Bedingung, daß 
die Religion daselbst in dem Stande bleibe, wie sie nunmehr sei. 
Bei dieser gegenseitigen Nachgiebigkeit in Streitfragen von 
zugleich so umfassenden: nnd so nahent Interesse eröffnete sich 
noch einmal die Aussicht aus eine allgemeine friedliche Cnts 
wickelung der Dinge. Was man hier fast uuerwartet erreicht 
hatte, schien den Weg zu einem allgemeinen Verständnis; zu bahnen. 
Der Kaiser kündigte die Absicht an, auf dem nächsten Reichss 
tagt den Entwurf einer christlichen lJieformation den Stäuden 
vorzulegen. Die Proteftantcn erwiederten, das; sie nicht vers 
sprochen haben wollten, einen solchen Entwurf alsdann sogleich 
zu dem ihren zu machen. Der Kaiser gab nach, daß von allen 
Stauden ähnliche Entwiirse einer Reform, d. i. einer gemeins 
schaftlichen Anordnung der religiösen Angelegenheiten im Reiche, 
eingebracht würden.  
Ein Zugestiinduiß, doppelt wichtig durch die nähern Bei 
siimmungeu, mit denen es in den Neichsabschied kam. Der 
Kaiser verweist darin die Vergleichung.des Z1viefpaltes ans ein 
,,getneines freies christlithe6 Conciliuut.E Ob er dabei nicht 
einige siir den Augenblick verhaltene Gedanken hegte, ist eine 
andre Frage, aber so viel weuigüens leuchtet ein, das; dies; die 
Ausdrücke sind, in denen die Protestanten immer ein Coucil 
gefordert hatten. lind noch mehr. Sollte ein solches Conciliutu 
nicht demnächst zu Stande kommen, so erklärt sich der Kaiser 
,,zu deutscher Nation Wohlsahrtii entschlossen, fiir nächsten Herbst 
oder Winter einen Reichstag vornehmlich in Sachen der Sieg 
ligion zu berufen nnd ihn selbst zu besuchen. Da sollen die 
Stände mit den Resormationsent1oürseu, die sie indess verfasTen 
lassen, erscheinen: gleichwie auch er thun will; nach ihrer Maß; 
gabe werde man über eine freundliche Vergleichung der Res 
ligion verhandeln, und zunächst wenigstens bestimmen, wie es 
in den streitigen Llrtikeln bis zu wirklicher Vollziehung eines 
Conciliums gehalten werden solle.
        

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